Autonomes Fahren: Auch ein Thema für die U-Bahn

Stadtbahnzug in Bahnhof
Stadtbahn-Linie U35: Bahnhof Bochum Rathaus

Autonomes Fahren ist wieder ein Top-Thema, seit das „Google Driverless Car“ vorgestellt wurde. Die Idee ist, dass ein Auto einen automatisch zu seinem Ziel fährt. Das tut es eventuell nur mit 30 km/h, aber völlig allein. Und dann stellen sich all die Fragen zu rechtlichen und ethischen Problemen. Die Technik des autonomen Fahrens kann aber auch anderweitig eingesetzt werden: im Öffentlichen Nahverkehr. Aber halt, sie wird schon eingesetzt.

Vor ein paar Tagen war ich in Nürnberg. Der fränkische Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen verfügt über ein eigenes U-Bahn-Netz. Es entstand, als die Olympischen Spiele im Jahr 1972 auch München eine U-Bahn brachten. Etwas ist seit einigen Jahren aber besonders. Die Linien U2 und U3 fahren autonom. Es ist kein Fahrer an Bord. An beiden Köpfen der Züge befindet sich … eine Scheibe.

U-Bahn U2/U3 in Nürnberg
Ohne Fahrerkabine: Autonome U-Bahn in Nürnberg

In München drückt der U-Bahn-Fahrer nur einen Knopf

Auch in der Münchener U-Bahn fahren Züge autonom. Der Fahrer an Bord ist gar keiner. Seine Aufgabe besteht darin, einen Knopf zu drücken, sobald alle eingestiegen sind. Dann fährt der Zug automatisch – autonom – zur nächsten Station. Es sieht danach aus, als hätte sich die Münchener Politiker nicht ganz getraut, gleich auf alle Fahrer zu verzichten.

Und auch in Nürnberg gibt es Personen, die auf die Züge aufpassen. Nicht die Leitstelle ist gemeint, sondern Verkehrsmeister, die die Aufsicht über drei Stationen führen. Sie pendeln mit den U-Bahnen zwischen ihren Stationen. Dadurch sind sie präsenter in den Wagen, als ein Fahrer in der Fahrerkabine. Sie räumen auf den Stationen auch mal auf und schauen dort nach, ob alles okay ist. Irgendwie ersetzen, sie das Sicherheitspersonal, denn sie nehmen das Hausrecht der Verkehrsunternehmen war.

Wuppertal: Erneuerung der Schwebebahn mit Fahrer war Pflicht

Wie sieht das in Nordrhein-Westfalen aus? Jüngst wurde die Wuppertaler Schwebebahn erneuert. Vorgegeben war, dass weiterhin auf Fahrer gesetzt wird. Das Bochum-Gelsenkirchener Verkehrsunternehmen BoGeStra hat im letzten Jahr neue Züge für die Stadtbahn und Straßenbahnen bestellt. Eine Diskussion über autonomes Fahren – einem Zukunftsthema – gab es nicht. Lag es an den Gewerkschaften, die Angst um Jobs der Fahrer haben?

Autonomes Fahren – Mehr Fahrgäste befördern

In der Tat. Autonomes Fahren von U-Bahnen benötigt weniger Fahrer. Aber es werden mehr Techniker benötigt. Im Nürnberger wie im Münchener Modell wird Personal benötigt in den Zügen oder auf den Stationen. Es gibt aber einen weiteren Vorteil des autonomen Fahrens: Es kann ein dichterer Takt erreicht werden. Das macht eine Investition in die Technik ggf. rentabel, wenn mehr Personen befördert werden können. Sofern es die Nachfrage dazu gibt.

Die Zahlen für die Taktfolge in Nürnberg sind: 200 Sekunden, also 3 Minuten und 20 Sekunden. Das ist der Abstand zwischen zwei möglichen Zughalten. Die kriegen das mit autonomem Fahren auf 100 Sekunden runter. Warum das interessant ist? Ohne längere Züge und Bahnsteige, aber mit mehr Zügen können auf den gleichen Strecken mit anderer Technik mehr Personen befördert werden.

Transportprobleme in der Metropole Ruhr: Von der Ruhr-Uni nach Bochum Hbf

Die U 35 in Bochum ist morgens und nachmittags überlastet im Bereich zwischen Bochum Hauptbahnhof und Ruhr-Universität. Die Studenten pendeln zu den Hochschulen in Bochum-Querenburg und zurück. Am Hauptbahnhof wird dann umgestiegen. Es fahren Doppelzüge. Ein weiterer Wagen kann nicht angehängt werden. Gegen diese sogenannten Dreifachtraktion spricht die Länge einiger Bahnhöfe, zum Beispiel an der Wasserstraße. Hier müsste die Station in die Kreuzung hineingebaut werden oder nach hinten in Richtung Tunnel. Das ist alles sehr schwierig und aufwändig. Eine dichtere Zugfolge wäre ein Lösung. Zur Zeit wird vor allem ein Weiterbau über die Universität nach Bochum-Langendreer forciert. Dann – so die Hoffnung – führen zunächst mehr Studenten in diese Richtung. Dann wäre der Stadtteil auch für Studenten zum Wohnen attraktiver.

Kosten und Auslastung sprechen dafür, das autonome Fahren mal zu prüfen. Aber es gibt auch anderer Ansätze. Könnten nicht auch Anrufsammeltaxis autonom fahren? Sie könnten dort zum Einsatz kommen, wo in dünner besiedelten Stadtteilen nur selten ein Bus fährt. Dazu ein anderes Mal mehr….

P.S.: Auch die Deutsche Bahn testet selbstfahrende Züge.

Über Dirk Schmidt 834 Artikel

Regional- und Kommunalpolitiker mit den Arbeitsbereichen Mobilität, Infrastruktur und Umwelt. U. a. Vertreter der Stadt Bochum beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und im Verwaltungsrat der VRR AöR.

Aktiver Jäger und Politikwissenschaftler. Wohnhaft in Wattenscheid-Westenfeld, Vorsitzender der CDU Wattenscheid. Jahrgang 1974.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*