Tag Archives: Energie

18Okt/12
drei beschriftete Dominostein-Kisten

Energiewende frisst Nahverkehr – Dominoeffekt bei kommunalen Subventionen

drei beschriftete Dominostein-Kisten

Mit den Gewinnen aus dem Energiebereich subventionieren die Kommunen den öffentlichen Nahverkehr.

In Deutschland dürfen Gewinne aus dem Geschäft mit Energie zur Subventionierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) herangezogen werden. Gerade in Großstädten mit kommunalen Stadtwerken und eigenen Verkehrsbetrieben hat dies eine erhebliche Bedeutung. Steuerlich günstig erfolgt hier eine Entlastung des Haushalts der Städte. Durch die Energiewende droht ein Einbruch der Gewinne. Das Beispiel der Stadtwerke Duisburg zeigt, wie schnell plötzlich ein Gewinneinbruch kommen kann. Statt zuletzt 41 Millionen soll sich der Betrag auf [Anm.: laut anderer Quelle ‘um’]30 Millionen verringern (siehe WAZ Duisburg vom 13.06.2012). Das schmerzt.

Der entscheidende Ausgleich zwischen Gewinnen und Verlusten erfolgt in Duisburg über die Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH. Die 100 % im Eigentum der Stadt befindliche Gesellschaft hält 80 % des Kapitals der Stadtwerke Duisburg AG und 74 % der Duisburger Verkehrsgesellschaft AG. Der Verlust der Verkehrsgesellschaft betrug in 2010 laut städtischem Beteiligungbericht rund 43,7 Mio. €. Sinken nun die Gewinne des Energiesektors oder halten sie nicht mit der Preisentwicklung bei den Leistungen für den Nahverkehr mit, dann werden aus dem städtischen Haushalt mehr Gelder fließen müssen. Bei anderer Entwicklung würde hingegen noch ein Gewinn für den Haushalt herausspringen.

Kommunen bezahlen mit Gewinnen aus dem Energiegeschäft den Nahverkehr
Es handelt sich um ein übliches Konstrukt in den Kommunen. Eine Holding hält die Anteile an den bisher einträglichen Energieversorgern und an den defizitären Verkehrsbetrieben. In Bochum heißt sie ‘Holding für Versorgung und Verkehr GmbH’, die die Anteil an der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn AG (BoGeStra) hält. In Essen gleicht die ‘Essener Versorungs- und Verkehrsgesellschaft’ dern Verlust der Essener Verkehrs-AG von ca. 31,4 Mio. € in 2010 aus.
Anders ist das Konstrukt in Dortmund. Hier wird der ÖPNV von den Stadtwerken (DSW21) verantwortet, die zugleich Beteiligungen an Energieunternehmen halten. Dazu heißt es im Beteiligungsbericht der Stadt Dortmund 2010/11 im Abschnitt zur DSW21:

Die strukturellen Defizite des Verkehrsbereichs werden vor allem durch die Gewinnabführungen der Energie und Wasserversorger (DEW21, KEB/RWE, GELSENWASSER, künftig auch STEAG) ausgeglichen.

Bürger zahlen als Stromabnehmer für Bus und Bahn
Die Quersubvention von Energie und Nahverkehr findet also innerhalb der Stadtwerke statt. Für beide Konstrukte bedeutet es, dass die Bürger als Kunden ihrer örtlichen, meist kommunalen, Energieversorger den Nahverkehr anteilig bezahlen.

Wenn die Gewinne aus dem Energiesektor (Gas, Wasser) nicht mehr sprudeln bzw. rückläufig sind, dann hat dies Konsequenzen für die kommunalen Haushalte und den Nahverkehr. Ein Ausbau insbesondere in der Metropole Ruhr ist kaum zu finanzieren, wenn der status quo schwierig zu halten ist. Einige Kommunen plagt zudem ein gewaltiger Erhaltungsstau bei den unterirdischen Stadtbahnanlagen (U-Bahn). Qualitätsverbesserungen und Angebotssteigerungen sind ohne mehr Geld nur geringfügig zu erzielen. Dabei kommt dem ÖPNV bei der Reduzierung des CO2-Ausstosses aus dem Personenverkehr ein bedeutende Rolle zu. Energiewende und Klimaschutz zeigen hier gegenläufige Tendenzen. Die Holdings, Stadtwerke und Energieversorger verfügen über Rücklagen. Die Steag nutzte jüngst einen Griff in die Rücklage, um die zugesagte Gewinnausschüttung an die zu 51 % kommunalen Eigentümmer zu zahlen. Das Jahresergebnis hatte für diese Ausschüttung nicht ausgereicht. So ein Griff in die Rücklagen verringert die Substanz der Unternehmen. Dauerhaft ist das keine Lösung.

Ein gutes hat die Situation jedoch. Es muss wieder über den Nahverkehr, seine Struktur und Verfassung gesprochen werden, zum Beispiel über die vielen Verkehrsbetriebe in der Metropole Ruhr und unter dem Dach des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR). Viele Kommunalpolitiker in den Räten der Großstädte mussten sich bisher nicht mit dem Nahverkehr befassen. Dessen Alimentierung war in städtische Gesellschaften ausgelagert, die sie aus ihren anderweitigen Gewinnen versorgten. Unbequemere Zeiten stehen an.

10Jun/12
Geothermiezentrum Bochum

Geothermie: Marktverzerrungen zwischen Regenerativen Energien durch Subventionen

Das Bild des Beitrags zeigt einen Bohrer auf dem Gelände des gerade entstehenden Geothermiezentrums an der Hochschule Bochum. Damit soll es bald 1000 Meter in den Untergrund gehen. Die Geothermie bietet viele Chancen für das Ruhrgebiet, denn in der Metropole Ruhr finden sich viele kleinere (mittelständisch und Inhaber geführte) Firmen, die dem Bergbau und Maschinenherstellern zuliefern. Das Wissen aus dem Bergbau, gerade dem Steinkohlebergbau, dessen Subvntionierung 2018 endet, ist ein Potential in der Region.

Geothermie ist eine regenerative Energiequelle. Und sie gehört mit zu den geförderten Energiequellen des erfolgreichen Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG), wobei bezeichnend ist, dass der Wikipedia-Artikel im Bereich zur “Geothermie” im Vergleich zu den anderen Quellen kurz ausfällt. Das ist meines Erachtens ein weiteres Symptom, dass die Geothermie immer noch am Anfang steht. Es muss weiter geforscht werden, um Energieausbeute, Produktionskosten, Investionen und Risiken für eine erfolgreiche Errichtung der Anlagen zu verbessern. Die bisherige Fokussierung auf Solarstrom brachte eine starke Subventionierung auf den Strom aus Solarzellen.

Wo Schweinställe mit Solarzellen überzogen werden, lassen sich meist auch WEAs errichten
Solarstrom wird seinen Platz in der Metropole Ruhr und den Städten in einem Netz dezentraler Energieerzeugung haben. Windenergieanlage lassen sich aufgrund des Abstandsgebots zum Schutzgut “Mensch” hier nicht einhalten. Die Produktion von Windenergieanlagen (WEA) hat für die heimische Wirtschaft jedoch mehr zu bieten, als der Import von vor Ort zu installierenden Solarzellen aus Fernost. Getriebe für WEAs lassen sich dort bauen, wo Getriebe für Kohlehobel entstehen. Wo Schweinställe mit Solarzellen überzogen werden, lassen sich meist auch WEAs errichten.
Von nationaler Bedeutung ist aber nicht allein, dass Energie aus regenerativen Quellen gewonnen wird, sondern wie und wo zu welchen Kosten. Die Subventionierung des Ausbaus der Fläche an Solarzellen hilft, ist bezogen auf die gewonnene Energiemenge und den vermiedenen Ausstoß an Kohlendioxid jedoch nachrangig. Energie muss wirtschaftlich sinnvoll erzeugt werden. Das erfordert ggf. den Transport von Strom aus WEAs von der Nordseeküste nach Süddeutschand und eventuell den Transport von Solarstrom aus südlichen Gefilden. Die effizienteste Energieerzeugung wird sich auch bei den “Regenerativen” durchsetzen müssen. Dies kann nach Standort und Technik variieren. Hier es nicht hilfreich, wenn aus der Politik eine Marktverzerrung kommt. Genau das ist aber zuletzt mit der einseitige Fokussierung auf die Erzeugung von SOlarstrom entstanden. Nachfolgend ein Zitat aus Seite 14f einer “Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie“, dessen Überschrift Technologieneutralität an Argumente zur Netzneutralität erinnert:

Der Energiemarkt ist im Umbruch. Heute lässt sich nicht absehen, wie der optimale Energiemix der Zukunft aussehen wird, wo der Strom produziert werden wird und welche Speichertechnologien in Zukunft eingesetzt werden. Ob und zu welchen Anteilen der Solarstrom beispielsweise aus Spanien oder Nordafrika oder die Windenergie aus der Nordsee zur deutschen Energieversorgung beitragen werden, ist noch unbekannt. In welchem Maße Stauseen, etwa in der Schweiz oder in Norwegen, dazu verwendet werden, überschüssige Energie zu speichern, oder ob eher dezentrale Speichermöglichkeiten wie zum Beispiel Batterien in Elektroautos oder Nachtspeicherheizungen genutzt werden können, lässt sich derzeit ebenfalls nicht abschätzen. Erst recht gilt dies für Innovationen, deren Eigenart es nun einmal ist, dass sie unvorhersehbar sind.

Es ist zu befürchten, dass diese Unsicherheit bei gleichzeitigem hohen öffentlichen Druck, Erfolge vorzuweisen, die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger erneut dazu veranlasst, nach Methoden der Mikrosteuerung zu greifen. Fast unausweichlich sind die Maßnahmen solcher Politik oft unkoordiniert und damit zum Teil auch in sich inkonsistent. Neben den Subventionen für erneuerbare Energien und den Kapazitätssubventionen für den Kraftwerksbau werden zugleich Subventionen für Speicher, Netze, Gebäudedämmung, Haushaltsgeräte, Elektroautos und vieles mehr diskutiert, geplant und beschlossen. Der Stromsektor ist so von einem Wust an nicht abgestimmten Zielen, Einzelmaßnahmen und
Notfallverordnungen überzogen worden. Seine Fortentwicklung droht – irgendwo zwischen Liberalisierung und Regulierung – stecken zu bleiben. Stattdessen ist ein System anzustreben, das die Kräfte des Wettbewerbs möglichst konsequent nutzt und damit dazu beiträgt, die besten und kostengünstigsten Technologien zu finden und an der richtigen Stelle einzusetzen.

Das jetzige System der Förderung der erneuerbaren Energien erfüllt diesen Anspruch gerade nicht. Die Förderung von spezifischen Technologien birgt stets die Gefahr, dass die Forschungs- und Produktionsentscheidungen der Industrie zugunsten unterlegener Technologien verzerrt werden. Nicht die Konkurrenz der Erfinder und Unternehmer, sondern
die Entscheidung des Gesetzgebers bestimmt, welches Verfahren zur regenerativen Energiegewinnung Vorrang haben soll.

Das ist riskant, denn der gegenwärtig rasche Fortschritt der Technik in vielen Bereichen der Gewinnung erneuerbarer Energien lässt es als ratsam erscheinen, nicht voreilig auf einige bestimmte Technologien zu Lasten Anderer zu setzen.

Und damit komme ich zu dem Schluss, dass ein Ende der überzogenen Subventionierung zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit der Geothermie geht und insgesamt die Innovation im Bereich regenerativer Energien bewirkt. Das ist auch schlecht für den Standort Deutschland, insofern die Machbarkeit der Energiewende hier gezeigt werden muss, um auch die effizientesten Techniken zwecks hier entstehen zu lassen. Auch das wirkt dem Leck entgegen am Ende preiswertere – weniger wahrscheinlich aus regenerativen Quellen gewonnene – Energie aus ausländischen Märkten zu beziehen, die nicht reguliert sind. Aber insbesondere für die existierenden Potentiale im Ruhrgebiet bietet ein Umsteuern Chancen.

Wie weit die Wirtschaftlichkeit der Energiegewinnung aus regenerativen Quellen von einer Fehlallokation betroffen ist, belege abschließend diese Zahlen aus vorgenannter Stellungnahme:

[Das jetzige System der Förderung der erneuerbaren Energien] bedeutet ein gewaltiges Subventionsprogramm für eine Technologie, die im Jahr 2011 geschätzt ca. 55% der Förderkosten erneuerbarer Energien verursacht hat, dabei aber nur 20% des nach EEG vergüteten Stroms oder etwa 3% des gesamten Stromverbrauchs ausmacht.

22Jan/12
Sonnenlicht von jarts / photocase.de

Energiewende: Wie Brüssel die Metropole Ruhr umbaut

Sonnenlicht von jarts / photocase.de

Sonnenlicht

In Brüssel wird bereits einige Jahre über die Neuausrichtung der Fördermittel für die Periode 2014-2020 diskutiert. Es geht um die Vorgaben der Europäischen Union für die Europäische Regionalpolitik, für die Verwendung der Gelder aus den Europäischen Strukturfonds durch die Nationalstaaten. In Deutschland erfolgen Projektauswahl und Bewilligung durch die Landesregierungen. Daher entscheidet sich derzeit in Brüssel, welche Schwerpunkte Förderprogramme, zum Beispiel beim Städtebau, ab 2014 vorgesehen werden. In diesen stecken zuweilen bis zu 80% Mittel aus Brüssel. Für die Metropole Ruhr sind von großer Bedeutung die Programme zu interregionalen Zusammenarbeit INTERREG und “Ziel 2-Mittel” aus dem EFRE (Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung). Dabei geht es um die Stärkung regionaler Wettbewerbsfähigkeit, um den Strukturwandel in der Metropole Ruhr.

Eine Neuausrichtung kann sich auf formelle Aspekte der Mittelvergabe beziehen. Für die laufende Förderperiode 2007-2013 erinnere ich mich bezüglich strapazierter öffentlicher Finanzen an eine Diskussion, ob die Eigenanteile von Städten und Gemeinden durch Private erbracht werden dürfen. So etwas ist auch immer sehr von Bedeutung. Da spielt auch eine Rolle, wie nach dem Erlass der Richtlinien zur Mittelvergabe nachfolgend die Konkretisierung in Berlin und wichtiger dann in Düsseldorf erfolgen. Die im Grundgesetz vorgegebene Bundesauftragsverwaltung weist der administrativen Ebene der Bundesländer hier eine bedeutende Rolle zu.

Neue Zielvorgaben für regionale Strukturmittel

Bildschirmfoto aus Präsentation der EU-Kommission zur Zukunft der Kohäsionsfonds 2014-2020, Seite 13

Bildschirmfoto aus Präsentation der EU-Kommission zur Zukunft der Kohäsionsfonds 2014-2020 (Seite 13)

Die neuen inhaltlichen Aspekte sind nicht marginal. Seit einem Jahr atme ich auf, als absehbar wurde, dass das Modewort für zukünftige Förderprojekte nicht mehr “kreativ” wie in “Kreativwirtschaft” sein wird, sondern “innovativ” wie in “Innovation”. Im Oktober 2011 hat die Europäische Kommission am Ende eines Konsultationsprozesses ihre Vorstellungen in einer Broschüre und Entwürfe für entsprechende Richtlinien vorgelegt. Nicht abschließend sehe ich folgende Neuerungen für die zukünftige Ausrichtung von Politik in der Metropole Ruhr:

  • Energiewende. Energieeffizienz, Verringerung des CO2-Ausstoßes, Klimaschutz sind ein Thema. Formal wird es für bestimmte Bereiche sogar Mindesquoten bei der Zuteilung von Geldern geben. Im Raum steht für den Bereich regenerative Energie derzeit eine Mindestquote von 20 %. Für 2014-2020 kann NRW derzeit mit 2 Milliarden Euro rechnen, so dass 20% davon 400 Millionen Euro wären. (vgl. Ausführungen zu Investitionsprioritäten in einer Mitteilung an den Rheinkreis Neuss)
  • Stadtentwicklung. In den letzten Jahren hat die EU den Rahmen für eine eigene Stadtpolitik entwickelt. Diese ist im EU-Vertrag nicht vorgesehen, aber sie zu formulieren ist konsequent, denn viele Politikbereiche beeinflussen insbesondere städtische Siedlungsbereiche. (Eine gute Einführung findet sich bei Euractiv.)
  • Innerstädtische Mobilität. Nicht mehr nur die Erforschung neuer Konzepte ist förderfähig, sondern die Realisation – auch und gerade zur Erreichung der Ziele zur Verringerung des CO2-Ausstoßes. Bei der Anbindung an vorgesehene Transeuropäische Netzte (TEN) sollen nicht nur diese förderfähig sein, sondern auch der Anschluss von Orten sekundärer oder sogar tertiärer Bedeutung an diese, also zum Beispiel an den Eisenbahnkorridor CODE24 (Betuwe-Linie). Insgesamt geht die Europäische Union seit geraumer Zeit mehr und tiefer in den Politikbereich Verkehr hinein.

Energetisch-sanierte Stadtteile und Renaissance der Verkehrsplanung

Das dieses Umsteuern erheblich sein wird, belegt mir die Mindestquote von 20% für Energie-bezogene Projekte. Im so genannten Konzept Ruhr sind die Listen der geförderten, nicht bewilligten und nie hinreichend qualifizerten Projekte der meisten der 53 Kommunen der Metropole Ruhr zusammengeführt. Überraschend – und bedenklich – hoch ist die Zahl der Projekte des Stadtentwicklung, des Stadtumbaus und der Stadtteilerneuerung. Auf diesem Gebiet wird auch eine Reduzierung der Gelder aus dem Bundeshaushalt für das Programm “Soziale Stadt” (Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf) bedauert. Ich rechne damit, dass die Umsteuerung nicht dazu führt, dass betroffene Stadtgebiete bzw. weitere Stadtgebiete bei einer Förderung nicht zu kurz kommen. Der besondere “Entwicklungsbedarf” wird nur anders definiert. Die Projekte werden dann aber anders ausgerichtet werden. Um das mal zu pointieren: Es muss dann unter ein Thema wie “Energetisch-sanierte Stadt” passen. Ähnlich müssen Infrastrukturmaßnahmen nicht (nur) wirtschaftlicher Bedeutung, sondern nach dem Aspekt der Reduktion des CO2-Ausstoßes und Energieverbrauchs beurteilt werden. Und “beurteilt werden” heißt, dass der Förderantrag bereits so geschrieben werden kann. Vielleicht steht daher sogar eine Renaissance der Verkehrsplanung in der Metropole Ruhr an. Der von der RVR-Verwaltung vorgeschlagene Haushaltsplan 2011 sieht den Einstieg in eine neue Verkehrsplanung für die Metropole Ruhr vor (ebenda, S.21 und 27). Die neue Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel macht sich derzeit für das Thema Verkehr (SPNV/ÖPNV, alternative Logistikkonzepte/Verkehrsträger) stark. (wie mancher ihrer Vorgänger zu Beginn ihrer Dienstzeit) Und da sind ja mindestens zwei Projekte Dauerbrenner: Stadtbahnbau und Rhein-Ruhr-Express. Alles Themen, bei denen verschiedene staatliche Ebenen zusammenwirken.

Rot-Grüne, kommunale Klimaschutzpläne

Zeitlich günstig dürfte sich eine geplante Bewerbung der Metropole Ruhr als Europäische Umwelthauptstadt einpassen. Die kleine Tochter der von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) einst in der ersten Regierungserklärung präsentierten Idee einer Weltausstellung für Klimaschutz und Umwelt wird in der Metropole Ruhr noch verfolgt. Vermutlich aus finanziellen Erwägungen ist in Düsseldorf derzeit Funkstille zum Thema. Die für eine und nach einer erfolgreichen Bewerbung notwendigen Projekte finden so einen Fördergeber. Innovatiotion City Bottrop schient da mit der Akquise der Gelder Privater, also der Bürger, Probleme zu haben. Vielleicht kommt Innovation City einfach etwas zu früh. Aber vielleicht gelingt es denen in Bottrop dann ab 2014 schneller ans öffentlich Geld zu kommen.

Für die Implementierung eines Klimaschutzgesetzes NRW hat die Umsteuerung auch Vorteile. Ich vertrete die These, dass das Klimaschutzgesetz über seine Klimaschutzpläne am Ende ausschließlich die Kommunen belasten wird. Dafür stellt es ich doch hervorragend dar, wenn die kommunalen Geldbeiträge zu EU-geförderten Projekte (im Rahmen von Landesprogrammen) als Maßnahmen im Rahmen eines Klimaschutzplanes dargestellt werden können. Und wenn am Ende dann nicht nur gelabert wird, dann springt über “Energieeffizienz” auch etwas für Bauunternehmen und Handwerker – quasi “die Wirtschaft” – heraus. Allerdings bezweifel ich, dass für diese Entwicklung zusätzlich noch das Instrument der Klimaschutzpläne erforderlich ist; einige Kommunen haben bereits ähnliche Instrumente und Pläne entwickelt.

Alte Bekannte, neue Ideen

Energieeeffizienz, Reduzierung des Ausstoßes klimaschädlicher Gase, energetische Sanierung, nachhaltige Energiekonzept, regenerative Energie sind Themen für neue oder ausbaubare Geschäftsbereiche. Verwaltungen und Politik sind gehalten hier Konzepte vorzulegen, denn diese werden Geld aus Brüssel akquirieren. Die Kompetenz, Förderanträge zu verfassen, ist in der Metropole Ruhr vorhanden. Jetzt stehen dabei erst grobe Skizzen an. Bei Vorlage aller Rahmenbedingungen wird dann die Umsetzbarkeit zu prüfen sein. Wie wäre es mit ernergieeffizienten Neubaugebieten, Bürgersolaranlagen und Bürgerwindparks, energetischer Sanierung ganzer Stadtteile, CO2-Reduktion durch Ausbau des SPNV/ÖPNV, Logistikkonzepte für Innenstädte, alternative Verkehrsträger für die letze Logistikmeile und Schnellradwege für E-Bikes/Pedelecs? Manches davon ist nicht neu.

 

Link zur Internetseite der EU-Kommission mit vertiefenden Informationen

http://ec.europa.eu/regional_policy/index_de.cfm


Bild: Sonnenlicht von jarts / photocase.de

14Jul/11
20110713-114337.jpg

Energiewende: Auf Stromausfallpanik vorbereitet sein

20110713-114337.jpgIn Hannover gab es am späten Mittwochabend einen flächigen, andauernden Stromausfall unterschiedlicher Länge. Halbwegs normaler Vorfall oder eine Folge der Energiewende?

Ich denke, wir müssen uns auf Stromausfälle vorbereiten. Zumindest müssen wir uns auf die damit verbundene “kleine” heimische und große mediale Panik vorbereiten. Aber keine Sorge, wir Deutschen werden uns daran gewöhnen. Im Mittleren Westen der USA leben auch Menschen, unter anderem ein paar Verwandte von mir. Dort wo es heftige Gewitter, schnelle Wetterumschwünge, kräftig-kalte Schneestürme und Tornados gibt, finden sich an mehreren Stellen die kleinen Helfer, die es erträglich machen. Nein, Kerzen und Streichhölzer liegen nicht im Schlafzimmer, sondern mit einem Handdynamo betriebene LED-Taschenlampen. Neulich hab ich so eine Lampe als Werbegeschenk von RWE bekommen. Leider war sie schnell defekt.

Was spricht für mehr Stromausfälle bzw. Panik darum?

  • Verschwörungstheoretiker gewinnen eine wachsende Anhängerschaft mit dem Glauben, dass Stromkonzerne bewusst abschalten oder zumindest Stromausfälle provozieren durch Unterlassen provozieren würden. Ziel wäre, die bedrohte Versorgungssicherheit mit Strom, erlebbar zu machen, um darüber die politische Meinung der Bürger beeinflussbar. Veränderte Zielsetzung der Energiepolitik sollen demnach beeinflusst werden, zum Beispiel zugunsten von Kraftwerken (Kernenergie, Öl, Kohle …) für die Grundlast.

  • Allein die Existenz des vorgenannten Kalküls, auch die Kommunikation hier, bestärkt zumindest die verstärkte Wahrnehmung von Stromausfällen und der potentiellen Gefahr.

  • Ein weiteres Kalkül setzt an technischen Schwierigkeiten an, die auch einen Umbau des Stromnetzes im Rahmen der Energiewende hin zu regenerativen Energien erfordern. Der Versatz zwischen Zeiten der Stromerzeugung durch Photovoltaik und Windenergie zu Zeiten erhöhten Stromverbrauchs gehört dazu. Technische Lösungen wie Speicherkraftwerke, aber auch Fernleitungen gehören dazu. Praktische Erfahrungen mit der Schnellabschaltung dafür geeigneter Großverbraucher wie zum Beispiel Aluminiumhütte fehlen; diese werden aufgrund eines zukünftigen höheren Strompreise auch aus Deutschland verschwinden, wenn ihre zur Netzsteuerung einsetzbare Abschaltfähigkeit nicht entgolten wird.

Was tun?
Na, klar! Ruhe bewahren. Taschenlampe, ideal auch eine mit Handdynamo, Kerzen, Streichhölzer und Feuerzeug da haben.

Und wenn’s mal länger dauert?
Trinkwasser bevorraten, also einfach mal ein paar Flaschen Wasser mehr da haben. Vielleicht auch eine Gaskartusche mit einer Camping-Heizung. Vor allem auch passende Batterien für ein entsprechendes Radio.

Und wenn’s mal richtig lange dauert?
Dann wird’s kompliziert ….

Die beiden Artikel passen ins Nild:

"Stromnetz unter Stress - Totaler Stromausfall auch in NRW möglich" (Rheinische Post, 15.07.2011)

"Energie: Wenn das Stromnetz Stress hat" (WAZ Bochum, 12.07.2011)


Bild: Stromausfall von Gaschel / photocase.de

21Nov/10
Von Evonik Steag GmbH und RWE Power AG betriebenes Kraftwerk am Datteln-Hamm-Kanal in Bergkamen, Ruhr

Kommunaler Steag-Umbau ist zu riskant

Die Evonik Steag GmbH ist die Energiesparte des Evonik-Konzerns, der früheren, alten Ruhrkohle AG (RAG). Sie betreibt neun Steinkohle- und zwei Raffinieriekraftwerke (=Öl) in Deutschland. Hinzu kommen drei lukrative Kraftwerke in Kolumbien, auf den Philippinen und insbesondere in der Türkei. Seit 2002 gehört die Steag vollständig zu RAG/Evonik, nachdem damals die übrigen Anteile von der RWE AG und E.ON AG erworben worden waren. Und jetzt stellt die Evonik AG eine 51%-ige Beteiligung an der Steag zum Verkauf.

Kommunales Konsortium findet Goldesel?
Und wieder einmal findet sich ein Konsortium kommunaler Stadtwerke der Metropole Ruhr zusammen und bietet auf den Koloss: Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Oberhausen, Herne, Dinslaken und – als Exot und inzwischen ausgeschieden – Saarbrücken. Und der Kauf des Kraftwerksriesens klingt auch verlockend, denn es wird zum einen eine Rendite von 8 bis 9 Prozent aufs eingesetzte Kapital erwartet. Zum anderen können die kommunalen Energieverteiler ihre Strategie fortsetzen, selber Strom erzeugen statt nur zu verteilen. Daher erfolgt in ähnlicher Konstellation bereits der Einstieg bei einem RWE-Kohlekraftwerk in Hamm. Das Ziel ist, die Wertschöpfungskette zu verlängern, d. h., nicht nur bei der Verteilung auch bei der Produktion von Strom Geld zu verdienen. Und die kommunalen Versorger im Besitz ihrer Städte benötigen das Geld, denn reihum sind sie gefordert höhere Gewinne und Konzessionsangaben an ihre Eigentümer abzuführen, denn bei denen fehlt es immens an Geld. Da kommt es passend, dass ein Erwerb sich über einige Jahre aus der Rendite selber finanzieren ließe, ggf. stehen noch günstige kommunale Kreditlinien zur Verfügung, die Marge zwischen Kreditzins und Rendite weiter erhöhen. Aber so tief lässt sich da derzeit nicht hineinschauen.

Von Evonik Steag GmbH und RWE Power AG betriebenes Kraftwerk am Datteln-Hamm-Kanal in Bergkamen, Ruhr

Erhebliche Risiken
Aber diese cash cow – neudeutsch: Goldesel – birgt auch Risiken. Ich bin stets skeptisch, ob so eine Gesellschaft mit 4.700 Mitarbeitern sich über kommunale Strukturen – in mittelbaren Beteiligungen verstrickt – überhaupt hinreichend steuern lässt. Den desaströsen Erwerb des Nürnberger Spezialtiefbauunternehmens Brochier mit weit über 1.000 Mitarbeitern über die Abfallentsorgungsgesellschaft Ruhrgebiet mbH (AGR), einer 100%-igen Tochter des Regionalverbands Ruhr (RVR), habe ich da in Erinnerung. Aus den Kommunen werden jeweils die (Ober-)Bürgermeister und eine Hand voll Ratsmitglieder den Aufsichtsrat bilden. Für diese wird das persönlich lukrativ sein, aber werden Sie den Koloss rein wirtschaftlich betreiben oder nach weiteren strategischen Gesichtspunkten? Das erste wäre ja schon mal was.

Internationale Aktivitäten sind zu riskant für Kommunen
Schaue ich mir diesen internationalen Stromerzeugungsgiganten mal an. Ist es Aufgabe der Kommunen, Kraftwerke in anderen Ländern zu betreiben? Es handelt sich nicht einmal um benachbarte Länder. Interessieren tut da eigentlich nur, dass gutes Geld reinkommt. Ich halte nichts davon: Kommunale Akteure sind bei der dauerhaften Steuerung ausländischer Gesellschaften überfordert. Hierbei handelt es sich um riskante Geschäfte außerhalb der eigenen Wahrnehmungssphäre. Wieder fällt mir die AGR ein, bei der über Jahre auch auf Wunsch der damaligen rot-grünen Landesregierung Auslandsbeteiligungen bis nach Japan zusammengekauft worden waren. Die AGR hätte zum internationalen Müllkonzern ausgebaut werden sollen. An den Verlusten die das Eigenkapital knackt die AGR noch heute. Früher lieferte sie jährlich Millionen an den kleinen Haushalt des RVR ab, heute fließt nichts mehr. Gott sei Dank ist zu erwarten, dass die AGR sich wieder von alleine berappelt. Aber aus diesen Vorgängen sollt man doch mal lernen. Doch wäre die Rendite ohne die Auslandsbeteiligungen noch so hoch?

Der rot-grüne Traum vom eigenen Versorgerkonzern
Ich befürchte, es wird nichts dazu gelernt. Wieder regiert Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen. Der Traum ist entstanden, anstatt einen internationalen, innovationen Müllkonzern zusammenzukaufen diesmal einen internationalen, innovativen Energiekonzern zu bauen, ja dafür die Steag umzubauen. Und der Umbau ist nötig und riskant. Die deutschen Kraftwerke sind ja keine modernen, effizienten Kraftwerke sondern ältere Schätzchen mit Restlaufzeiten. Diese gilt es durch neuere, effizientere Kraftwerke möglichst mit Kraftwärmekoppelung zu ersetzen. Unverständlich ist die Zustimmung der Grünen zum Erwerb der Steag. Sie setzen sich für den Erwerb alter Kohlekraftwerke ein, die angesichts CO2-Emissionshandel und fortschreitender strengerer Regulierungen beim Schadstoffsausstoss bereits aus wirtschaftlichen Erwägungen vom Netz müssen. Datteln I-III und IV lassen grüßen. Dahinter stehen auch europäische und bundesdeutsche Vorgabe. Interessant wird dann eine Konfliktlage, bei der veränderte Rahmenbedingungen der schwarz-gelben Bundesregierungen den Grünen nicht weit genug gehen, aber Vorort erheblichen Einfluss auf den eigenen Stromkonzern haben sollten.

Und weil dennoch einigen Grünen bewusst ist, dass der Konzern mit den alten Stinkern umgebaut werden muss, wird bei der Diskussion im Vorfeld der notwendigen Ratsbeschlüsse ein Umbaukonzept gefordert. Dies ist erst recht riskant und verändert die Erwartung von 8 bis 9 Prozent Rendite. Um das nochmal klar zu machen: Gerade Vertreter der SPD führen an, dass sich die Rendite auf lange Sicht lohnt. Diese wird aber gerade durch den zeitgleich geforderten Umbau gefährdet. Der Wirtschaftlichkeitsrechnung, die ich nicht kenne, wird damit der Boden entzogen. Zudem ist der Umbau ja nicht durch wirtschaftliche Erwägungen motiviert sondern durch politische. Es soll ein Umbau zu einem Energielieferanten auf Basis regenerativer Energien erfolgen. Der gleiche Wahn wie seinerzeit beim Müllkonzern AGR. Dazu passt auch gleich einmal das Gerücht, dass beim grünen Landesumweltminister Remmel bereits grüne Kandidaten für Geschäftsführerfunktionen bei der Steag vorsprechen würden.

Der Traum einer modernen Steag 2020, und dann?
Male ich den Traum doch mal aus: Die Metropole Ruhr wird als neues Dekadenprojekt eine Weltausstellung Expo für Klimaschutz und Umwelt ausrichten. Auf dem Weg dahin wird sie 2015 Europäische Umwelthauptstadt und entwickelt über ihre Stadtwerke und den regionalen Energieerzeuger Steag mit Hilfe von Fördergeldern hübsche umweltfreundliche Konzepte. Die Stadtwerke liefern fröhlich Projekte und Geld an ihre Städte ab. Die Steag wird Vorzeigestromerzeuger. Aber leider wird dann nach 2020 festgestellte, dass viele Projekte politisch motivierte Blasen sind, die sich nicht rechnen. Bis dahin wird aber auch kein Geld von der Steag an ihre Eigentümer geflossen sein, denn mit den Gewinnen, die über die Stromrechnung der Bürger zusammengetragen werden, werden noch immer die Kredite für den Kauf des Konzerns bedient. Das läuft so wie beim Erwerb von 80% an der Gelsenwasser AG durch die Städte Bochum und Dortmund. Für die Kommunen und Bürger kommt dabei nichts raus. Allenfalls für ein paar Kommunalpolitiker und politisch zuverlässige ein paar gut bezahlte Posten. Der Traum kippt dann leicht zum Alptraum, wenn man nicht rechtzeitig aufwacht.

Chancen und Risiken, aber nichts dazugelernt
Es gibt sicher auch Chancen beim Erwerb der Steag. Mögliche Gewinne in der Zukunft gehören dazu und die Anhäufung von Kapital quasi von selbst gehören dazu. Nett ist sicher auch die Perspektive, die Umerziehung zum sozialistischen Menschen, äh – den Umbau zur umweltfreundlichen Energieerzeugung voranzutreiben. Die Kommunen sind dafür aber die falschen, überforderten Akteure. Geeignetere Instrumente und Akteure gibt es da auf Bundesebene und europäischer Ebene. Dort werden die Marktregeln für alle gesetzt und nicht nur bei hohem wirtschaftlichen Risiko für ein Unternehmen allein. Die langfristigen Risiken überwiegen und ich bedaure, dass politische Entscheidungsträger nicht aus gescheiterten Operationen ähnlicher Art lernen. Ist denn die Sehnsucht nach einem neuen Versorgungsinstrument VEW so groß, dass sie blind macht? Passt so ein Kauf trotz Machbarkeit in die Landschaft der defizitären und von Überschuldung bedrohten kommunalen Haushalte?


Linkliste
WAZ Essen: Steag-Kauf soll Stadtwerke-Erlös nicht schmälern (Wolfgang Kintscher, 18.11.2010)

Rheinische Post I: Stadtwerke wollen Versorger Steag kaufen (Antje Höning, Thomas Reisener, 09.11.2010)

Rheinische Post II: Duisburg: SPD für Steag-Kauf (17.11.2010)

31Okt/10
Webcam Datteln 4

Datteln IV – Ab 8. November wird’s peinlich

Die Bedeutung der Entscheidungen zum weiteren Bau oder Baustopp am E.on-Kraftwerk Datteln IV (siehe Bild links mit Link zur Webcam auf die Baustelle) hat erhebliche Bedeutung für die Zusammenarbeit derer rot-grünen Koalitionäre im Düsseldorfer Landtag und in der Verbandsversammlung des Regionalverbands Ruhr (RVR), dem sogenannten Ruhrparlament mit Sitz in Essen. Der Konflikt und die Verzahnung zwischen regionaler und Landesebene wurden treffend am letzten Donnerstag (28.10.2010) vom Journalisten David Schraven in der WAZ, der Westfälischen Rundschau etc. dargestellt – hier ein Link zum Artikel “Kohlekraftwerk: Datteln kann zum Sprengsatz für Rot-Grün werden“.

Die Zeit fürs Finden einer Lösung wird immer knapper.
Auf Antrag des E.on-Konzerns wird der RVR als Träger der Regionalplanung zum Kraftwerkstandort Datteln IV entscheiden müssen. Luft hat Rot-Grün sich zunächst verschafft, indem der Beginn der offiziellen Bearbeitung des Antrags und die zugehörige Beschlussfassung auf den 13. Dezember 2010 verschoben wurde – siehe Vorlage. Ursächlich ist, dass die Antragsbearbeitung von politisch angekündigten Änderungen der neuen Landesregierung – einer Minderheitsregierung – abhängig gemacht wird. Das ist schon ein Skandal, der manchem erst auf den zweiten Blick auffällt. Verwaltungshandeln wird hier nicht von geltendem Recht abhängig gemacht, sondern von Aussagen in Koalitionsverträgen. Dies tritt den Rechtsstaat mit Füßen. Allerdings ist mit erfolgreicher Umsetzung von Gesetzesänderungen in Datteln IV betreffenden Bereichen nicht kurzfristig zu rechnen.

Das hilft Rot-Grün nicht,
wie auch die Erkenntnis nicht, dass ein Genehmigungsverfahren nach geltendem Recht erfolgreich sein könnte. Vielleicht ist dies mit ursächlich für Bestrebungen, den für die Planung beim RVR zuständigen Spitzenbeamten durch den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Ruhrparlament zu ersetzen. Für den Fall befürchte ich, dass Rechtsbeugung mit zu den Instrumenten des Verbandes gehören könnte.

Es bleibt damit die von Rot-Grün selbst verordnete Frist 13.12.
Und ich gehe davon aus, dass innerhalb der RVR-Verwaltung längst Vorarbeiten zu Datteln IV erfolgt sind, die einfach nicht vorgelegt werden. Dazu schreibt Stefan Laurin in der Welt am Sonntag:

Dass er dem für die Planung zuständigen Ruhrparlament einen Entwurf vorlegen wird, der den Bau eines Kraftwerks dort für möglich erklären wird, gilt als sicher. Seit August kursiert im RVR ein entsprechendes Papier.

Und das erklärt sich, wie folgt, auch mit einem Auszug aus einem Schreiben eines grünen Politikers, siehe Ruhrbarone: “Grüne streiten um Kraftwerk Datteln”, 24.10.2010:

Zwischen den Beteiligten ist vereinbart worden, dass eine entsprechende Vorlage in den RVR-Gremien nicht zu suchen hat.

Das Vorgehen belegt erhebliche Demokratiedefizite bei den Grünen im Ruhrgebiet, wie auch Grüne selber feststellen.

Aber so eine Frist für Beschlussfassungen hat weitere Konsequenzen für den Vorlauf:
Die Unterlagen müssen drei Wochen vorher versandt werden. Am 24. November 2010 müsste der Planungsausschuss dazu beraten und 8 Tage vorher die Unterlagen bekommen. Und ich nehme an, dass verwaltungsintern die Vorlage bzw. der kritische Absatz einer solchen Vorlage vorberaten wird. Hierfür bietet sich das Gremium der Verwaltungskonferenz (Verwaltungsvorstand) an. Da die jüngste Erfahrung belegt, dass dazu auch die rot-grünen Koalitionsgremien Meinungsfindung betreiben, allein auch schon um zu kontrollieren, was an andere Parteien und die Öffentlichkeit geht, dann bin ich ganz schnell beim 8. November 2010.

Und Nähe des Datums zeigt die wenigen Handlungsoptionen zum heutigen Zeitpunkt und den zeitlichen Druck. Das Thema dürfte die nächsten Wochen weiteren Anlass zu Berichterstattung bieten. Das Thema bietet zudem erhebliches Konfliktpotential verbunden damit, dass es für den einen oder anderen Akteur schmerzlich wird – oder halt peinlich.


Das Bild stammt von der Webcam auf die Baustelle des Kraftwerks in Datteln.

20Apr/10

Kohle: Abstruse und nationalistische Töne der Linkspartei

Am Montagabend war ich zu Gast auf einer Podiumsdiskussion der IGBCE Herne. Im Gegensatz zu meinem Besuch bei der IGBCE Bochum beschränkte sich das Thema hier komplett auf Energiepolitik und Steinkohleabbau in Deutschland. Selbst das Thema Regenerative Energien muss ich darunter subsumieren. Die ganze Veranstaltung will ich gar nicht wiedergeben. Da kann ich auch auf einen Artikel in den Ruhrnachrichten Bochum zur Diskussion bei der IGBCE Bochum verweisen, wenn man die Themen Leiharbeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung herauslässt.

Vorab will ich noch anführen, dass ich auf dem Podium kritisiert habe, dass der Veranstalter letzte Woche die FDP mit der Begründung ausgeladen hat,  der oder die Vertreterin habe sich nicht rechtzeitig angemeldet. Ich danke der Parteikollegin oder dem Parteikollegen, die bzw. der das für mich übernommen hat. Vielleicht war dadurch das Klima bereits etwas vergiftet. Dazu beigetragen hat auch meine Kritik am Moderator names Lüken, der in der zweiten Runde nach Stellungnahmen von Linke und Grünen jedesmal einen längeren Kommentar zur Position der IGBCE abließ. Das verstehe ich nicht unter einer Podiumsdiskussion mit Parteien zur Wahl, wenn der Moderator die größeren Wortanteile hat. Dafür saßen dann auf dem Podium am Tisch zwei Vertreter der IGBCE und ich hab dann als einziger Vertreter einer bürgerlichen Partei neben dem Tisch sitzen dürfen. Wenn das nicht schon ein Aussage sein sollte.

Jetzt aber zur Linkspartei. Das ist politisch wesentlich bedeutsamer als vorgenanntes Hickhack. Zunächst hätte ich die Position von Michael Aggelidis am besten so zusammengefasst, dass er für die Förderung der heimischen Kohle durchaus sei, diese aber nicht verbrennen wolle. Kohle würde das CO2-Problem und damit die globale Erwärmung fördern, bekannte er auf Nachfrage. Er halte sie zudem für zu kostbar zum Verbrennen. Kohle sollte besser als chemischer Grundstoff für andere Produkte verwendet werden. Allein angesichts der notwendigen Menge für die Förderung bzw. geringen zur anderweitigen “chemischen” Verwertung bezweifele ich, dass das einen plausiblen Ansatz auch nur darstelle könnte, um den Steinkohlenbergbau zu befördern. Die Ideenwelt dieser Partei ist abstrus und weltfremd.

Den Knüller brachte dann aber eine gewisse Klaudia Scholz. Sie vertrat die These, dass in deutschen Steinkohlekraftwerken nur deutsche Steinkohle verbrannt werden sollte. Ihre Frage an die Politiker auf dem Podium war dann auch, wie sie – die Politiker – sicher stellen wollen, dass nur noch deutsche Steinkohle in deutschen Steinkohlekraftwerken verbrannt werde. Die Antwort des Linken ist mir entfallen – vermutlich kam da auch keine. Die übrigen Vertreter – mich eingeschlossen – haben sich dann mal alle dahingehend geäußert, dass das nicht realisierbar sei. Ich habe die These als “öko-nationalistisch” bezeichnet. Meine Äußerung ist dann vom Moderator dann auch gleich als beleidigend gerügt worden. Dessen war ich mir gar nicht bewusst, aber offentlich hatte ich eine politisch links stehende Person getroffen, die da im Publikum saß. Dabei war die einschränkende Vorsilbe “öko” schon spezifizierend gemeint, aber im Nachhinein passt zu öko eher ökonomisch als ökologisch. Es ging wohl nur um einen nationalistischen, protektionistischen Ansatz zum Erhalt von Arbeitsplätzen. In Zeiten eines europäischen Binnenmarktes und ökonomischer Globalisierung, in Zeiten von Entgrenzung, passt das nicht. Der Referent der IGBCE versuchte das dann zu retten, in dem er die Frage uminterpretierte in die Verhinderung des Imports von “Blutkohle”, wohinter ich den Import aus China oder Afrika vermute.

Da Klaudia Scholz mir am Ende als Geschenk von der IGBCE ein Päckchen Kohle überreichte und auch der Referent Dr. Ralf Bartels sie beim Namen nannte, nehme ich mal an, dass sie IGBCE-Mitglied ist. Sie stellte sich zu dem als (frühere?) Telefonistin bei der DSK (Deutsche Steinkohle AG) vor, die sich dennoch gegen den Bau des Kraftwerkblocks Shamrock 5 gestellt habe. Naja, mit den Widersprüchen muss sie selber klar kommen. Sie scheint mir aber auch Mitglied der Partei Die Linke zu sein oder ihr zumindest äußerst nahe zu stehen, denn sie hat für sie kandidiert und vertritt sie im Rat der Stadt Herne in einem Ausschuss. Dann dürfte die treffende Bezeichnung als Bindestrich-“Nationalistin” sie getroffen haben, aber dennoch zurecht. Nationalistischen Töne passen auch zur Linken und ihren populistischen Formeln. Sie ist halt eine extremistische Partei. Das erinnert mich an ein Zitat aus einer CDU-Pressemitteilung, hier zitiert nach den Ruhrbaronen, wo ich sie einst gelesen hatte (Ja, da und nicht auf cdu-xy.de): “Die Linke in Nordrhein-Westfalen zeigt immer öfter ihr wahre extremistische Fratze.” Und die Äußerung einer Klaudia Scholz zeigt mir, dass dieses Denken, nicht nur bei Spitzenkandidaten vorkommt, sondern auch auf niederen “Rängen” und in anderen Kreisverbänden wie hier in Herne. Aus ihrer Ratsgruppe kommt auch die Spitzenkandidatin Bärbel Beuermann. Da schau ich dann wieder rüber zur SED in der einstigen DDR ….

Unterhaltsam bis peinlich war auch der Auftritt eines Vertreters von BüSo. Offenbar hatten die Veranstalter nicht den Mut, ihm geradeheraus eine Stellungnahme zu verbieten. Er sagte mir vor der Veranstaltung, dass er eine Stellungnahme zur Position von BüSo abgegeben dürfe. Der Veranstalter hatte aber wohl nur gemeint, dass es eine offene Veranstaltung sei und jeder was sagen dürfe. Und so ist das dann ein langes Statement mit Ermahnungen durch den Moderator und eine kleine Frage am Ende entstanden. Den Veranstaltern hatte bei der Vorbereitung der Veranstaltung deutlich erkennbar der Mut gefehlt, dem Vertreter der BüSo einen Absage zu erteilen, sein Programm vorzustellen.

Am Ende fühle ich mich bezüglich der abstrusen Positionen der Linkspartei bestätigt. Ich frage mich aber auch, was die Veranstaltung eigentlich bewirken wollte. Die Unterschiede zwischen den Partei sind klar geworden, und dann?

04Aug/09

Bochum verpennt Stromtankstellen

Keine Loveparade, keine Bundesgartenschau, keine Belege für den Schnellstraßenbau …. und keine Stromtankstellen. Oder heißt es Elektrotankstellen? – Auf letzteres wies mich gerade mein Kollege Lars Lammert hin.

Bochum verpennt die nächste Entwicklung: Die Einrichtung von Stromtankstellen. Dies sind nicht einfach Tankstellen, an denen mal eben kurz das Auto mit Strom betankt wird. Das Laden von Batterien dauert seine Zeit. Nicht jeder kann dies nachts in der heimischen Garagen machen. Also werden auch Lösungen benötigt, bei denen das Auto während der Arbeitszeit oder des Einkaufens geladen wird. Da bieten sich Parkhäuser an. So kooperieren daher RWE und der in Dortmund tätige Parkhausbetreiber Apcoa.

Die Landesregierung will die Metropole Ruhr zur Modellregion ausbauen. Bis 2020 sollen eine Viertel Million Elektrofahrzeuge durch NRW fahren. Der Ausbau ergibt Sinn, denn aufgrund der Reichweiten der Fahrzeuge  und der notwendigen Infrastruktur, bieten sich zunächst Ballungsräume für Elektrofahrzeuge an. Außerdem steht der Amerpa, das Elektrofahrzeug aus dem Haus General Motors (GM)/Opel), am Horizont. Die Diskussion um Konzept für die Zukunft von Opel/GM in Europa und gerade auch am Standort Bochum ist auch eine über die Chancen eines seriengefertigten Elektroautos wie dem Amerpa.

Meines Erachtens stirbt Opel in Bochum seit Jahren auf Raten. Irgendwann werden die Kosten im Vergleich zu weiter östlich gelegenen Werken zu erdrückend sein, so dass das Werk geschlossen werden müsste. Abhilfe brächte eine neue innovative Technologie, wie es der Amerpa in Serie gefertigt darstellt. Dann gäbe es hier bei uns wieder ein wissensbasiertes Produkt, das Alleinstellungsmerkmal wäre. Aber die Serienfertigung eines Ampera erfordert Käufer, die auch auf die nötige Infrastruktur – eben Stromtankstellen – zurückgreifen können. Daher steht es der Region und stünde es gerade Bochum als Standort eines Opel-Werkes gut zu Gesicht, hier voranzugehen. Allerdings sieht es mir danach aus, dass die Verwaltung sich nicht an den RWE–Konzern gewendet hat, der gerade Stromtankstellen in Mülheim, Essen und Dortmund errichtet. Schade, denn Bochum liegt zwischen Essen und Dortmund. Schade, denn ein Bochumer Unternehmen betreibt die Parkhäuser in der Bochumer Innenstadt: die Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum. Schade, denn ich denke, so eine Maßnahme für Elektroautos und die Innenstadt würde den städtischen Haushalt, der ja zusammengebrochen ist, nicht belasten.

Übrigens dürfte die Herausforderung für die Schaffung öffentlich zugänglicher Infrastrukturen in der Metropole Ruhr eine größere sein, aber auch zwingender, denn der Anteil der Hausbesitzer ist in der Metropole historisch bedingt geringer. Daher dürften auch weniger Einwohner über eine eigene Garage samt Steckdose verfügen. Das müsste auch ausgelichen werden.