Tag Archives: Kultur

01Feb/15
'Der Traum des toten Indianers' von Friedensreicher Hundertwasser, Foto: Tobias Roch, Hagen / Osthausmuseum

Hundertwasser Lebenslinien, Osthaus-Museum

Dem östereichischen Spiralform-Künstler und Gegner der geraden Line Friedrich Hundertwasser (1928-2000) widmet das Osthaus-Museum in Hagen die Ausstellung “Hindertwasser Lebenslinien” (1.2.-10.5.2015). Dabei werden nicht nur didaktisch erläuterte Werkgruppen an die Wände der Ausstellungsräume gehängt, sondern auch Objekte wie Tapisserien ausgestellt. Dazu kommen mehrere Vitrinen mit Architekturmodellen.

Das Wertvolle der Ausstellung scheint mir nicht nur die vermittelte Erkenntnis über die Bedeutung der Spirale für das Werk des naturverbundenen Künstlers, sondern ergänzend über sein Schaffen immer und überall ohne Atelier, auf gefundenen Materialien, mit selbsterstellten Materialien und Bildträgern, die selbstaufgezogen oder -aufgeklebt als Option in Kästen montiert wurden – von ihm selber. Das rühmt auch die Pressemitteilung der Aussteller:

ÜBERBLICK ÜBER ALLE TÄTIGKEITSBEREICHE
Das Osthaus Museum Hagen widmet Friedensreich Hundertwasser in Kooperation mit der Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung und DIE GALERIE Frankfurt eine umfassende Ausstellung, die alle Tätigkeitsbereiche würdigt: Malerei, Druckgraphik, angewandte Kunst, Architektur und Ökologie. In jedem dieser Felder hat der Künstler eine individuelle Sprache gefunden, die unverkennbar seine Züge trägt, eigenwillig und konsequent, mahnend, Beispiel gebend und neue Wege aufzeigend.

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09Okt/14
Cross-Marketing: RuhrGames x YOU.

RuhrGames meet You. Dortmund 28.-30.11.2014

Die RuhrGames sollen ab 2015 die Nachfolgeveranstaltung für die seit Jahren nicht mehr stattfindende Ruhrolympiade des Regionalverbands Ruhr (RVR) werden. Die Veranstaltung für Jugendliche soll olympische Sportarten mit Trendsportarten verbinden, bereichert um ein kulturelles Programm und mit industriekulturellem Ambiente. Alles klar? Das ist sicher voll gepackt, wird aber verspricht gut zu werden.

Cross-Marketing: RuhrGames x YOU.

Cross-Marketing: RuhrGames x YOU.

RuhrGames 2015: Jugendsportevent vor industriekultureller Kulisse

Für den Regionalverband ist das Kalkül klar. Er will die Chancen der Region nutzen und kommunizieren. Daher soll das Jugendsportevent raus aus d Turnhalle und vor die industriekulturell Kulisse der Region gezerrt werden. Für die Kulisse und Zielgruppe kommt auch dieses Joint Venture aus etablierten Sportarten wie Judo, Fechten, Leichtathletik, Basketball mit Beachvolleyball, Beachsoccer, Skateboarding zustande. Wettkämpfe dieser Sportarten sollen zu den RuhrGames erfolgen, bei der You -Messe wird es Präsentationen der Trendsportarten geben.

Warum die Pressekonferenz zur Kooperation mit YOU?

Logo der Jugendmesse YOU.

Logo der Jugendmesse YOU.

Derzeit läuft mit der “Road To RuhrGames” eine Phase mit Veranstaltungen, die die große Sportveranstaltung der Metropole Ruhr bewerben soll. Da die Veranstaltung bzgl. Entwicklung und Realisierung in die Hände zweier in einem Wettbewerb gewonnenen Sportagenturen gegeben wurde, läuft auch das Marketing anders ab. Stadtsportbünde suchen derzeit nach Veranstaltung auf dem der “Road To Ruhr Games”, die angeführt Kooperation mit der Jugendmesse erfolgt in diesem Jahr und die Pressekonferenz war schon medial aufwendig und offenbar mit bestellten applaudierenden Jugendlichen (Schülerzeitungen?) besetzt gestaltet worden.

Hierfür erfolgte auch die Einladung zur Pressekonferenz mit Christoph Metzelder – moderiert von Comedian Luke Mockridge – an den Blog Schmidts-Katze. Es ging der Agentur vermutlich um die starke mediale Berücksichtigung dieser Kooperation. Cross-Marketing?

RuhrGames: Wir fördern Euch zu Tage

RuhrGames: Wir fördern Euch zu Tage

Die Jugendmesse YOU findet vom 28. bis 30. November 2014 in Dortmund statt.

02Okt/14
Kopf der Einladung zur 3. Kulturkonferenz Ruhr

3. Kulturkonferenz Ruhr – Intentional zum Klimawandel

Am Dienstag fand in der Stadthalle in Hagen die 3. Kulturkonferenz Ruhr statt. Sie hat mir besser gefallen als ihre beiden Vorgänger. Ich denke, dass liegt daran, dass die Konferenz intentional für ein Ziel des Veranstalters Regionalverband Ruhr (RVR) erfolgt. Das Thema “Kultur und Klimawandel” erfolgt in einer Auftaktwoche des RVR zum Klimawandel vom 27.09. bis 03.10. und in Vorbereitung auf ein Schaufenster im Rahmen der Klima.Expo.NRW 2022. Kritiker dürften sagen, die Kulturkonferenz wurde instrumentalisiert. Ich sage: Gott sei Dank. Es hat sie gerettet.

Kopf der Einladung zur 3. Kulturkonferenz Ruhr

3. Kulturkonferenz Ruhr: Kultur und Klimawandel

Klimakultur in der Stadthalle Hagen

Es waren deutlich weniger Teilnehmer erschienen als in den Vorjahren. Anhand der Teilnehmerliste schätze ich 240 Angemeldete, von denen sicher nicht alle gekommen sein. Das mag ein wenig an der nicht zentralen Lage des Veranstaltungsortes liegen. Ich schätze jedoch, dass die Themenwahl die Teilnehmer verändert hat. Und verändert hat sich auch der Kulturbegriff, der der Veranstaltung zugrunde lag. Fernab von einem tiefen Verständnis der semantischen Bandbreite des Kulturbegriffs ging es etwas mehr um Zivilisation, vielleicht auch Alltagskultur als um Hochkultur – und darin die Arbeit der freien Szene. Nach dem von mir geschwänzten obligatorischen Beitrag von Prof. Claus Leggewie vom Kulturwissenschaftlichen vermutlich zur notwendigen Klimakuktur habe ich mir ein Projekt des Goethe-Instituts in Usbekistan und eines des Vereins ‘Die Urbanisten’ in Dortmund angehört.

Ich nehme aus den Veranstaltungen mit, dass mit kulturellen Formaten in einem autokratischen System Inhalte und Auseinandersetzungen über den Klimawandel und konkret das Schmelzen der Gletscher thematisiert werden können, siehe Goethe.de/Klima. Ich hab ein konkretes Projekt des Urban Gardening in der Metropole Ruhr vorgestellt bekommen, dass im städtischen Raum einen Beitrag zum Klimawandel leistet, weil es erheblich den Ausstoß von Kohlendioxid vermeidet, das beim Transport von Obst und Gemüse anfällt. Das Projekte stammte vom Dortmunder Verein “Die Urbanisten“. Ein wenig war die Konferenz wie eine Messe.

Kulturkonferenz Ruhr: Ende der Nabelschau?

Im Kontrast dazu sind mir die vorherigen beiden Kulturkonferenz als Sammelforen der Region in Erinnerung, wo sich die RVR-nahen Vertreter der Kulturinstitutionen trafen. Dabei wurden sie dann mit den Forderungen der sogenannten “freien Szene” konfrontiert, die schließlich mehr Beteiligung und schließlich Geld für sich reklamierte. Ganz ergebnislos ist das nicht geblieben, so blieben im Rahmen der trienalen EmscherKunst jetzt was für Sie und auch die Restmitteln der liquidierten Ruhr.2010 GmbH. Aber so kann es ja nicht weitergehen. Es wurde mir nicht klar, wofür diese Kulturkonferenz weiterhin da sein solle und wie die Ergebnisse irgendwie verwertet werden könnten.

Bühne der Kulturkonferenz Ruhr

Bühne der Kulturkonferenz Ruhr

Das Publikum hat sich nicht nur zahlenmäßig verändert. Da freue ich mich sogar auf die Auswertung der Konferenz, die zuvor in Form einer Broschüre im Zeitungsformat kam. Und die Veränderung wirft die Frage auf: Wie lautet das regionale Kulturthema der 4. Kulturkonferenz?

Bisherige Themen der Kulturkonferenz

Die jährlich von Land und RVR veranstaltete Kulturkonferenz Ruhr ist aus dem Kulturhauptstadtprojekt Ruhr.2010 enstanden und Teil der Nachhaltigkeitsstrategie dieser. Die bisherigen Themen lauteten:

15.09.2012 : Kulturmetropole Zukunft. Die neue Dekade gestalten. (Welterbe Zollverein)
20.09.2013 : Zukunft der Interkultur. Strategien für eine Metropole der kulturellen Vielfalt. (Ruhrfestspielhaus Recklinghausen)
30.09.2013 : Kultur und Klimawandel. (Stadthalle Hagen)

10Mai/14
Stadt, Land, Wein

Rot oder Weiß? Urbane Wein-Kultur an der Ruhr emanzipiert sich

Vom 21. bis 25. Mai 2014 findet in der Rotunde im Bochumer Bermudadreieck das Weinfestival “Weine vor Glück” statt. Gegenüber dem Vorjahr haben sich Zeitraum des Festivals und die Zahl der teilnehmenden Winzer auf 40 verdoppelt. In 2013 hieß das Festival von Oliver Soppala noch Vinolucion, aber markenrechtliche Schwierigkeiten führten zu Änderung. Eine Google-Suche unter “Vinolucion” bringt Berichte zur Erstauflage des Festivals hervor, die beschreiben, was dieses Wein-Event so anders macht. Ziel ist es, Wein als Ausdruck des Lebensgefühls einem jüngeren, urbanen Publikum nahe zu bringen. Viva la Vinolucion!

Stadt, Land, Wein

Stadt, Land, Wein

“Zwei Franken gehen in eine Kneipe im Ruhrgebiet”, beginnt ein alter Witz über die ungebildeten, einfachen Menschen im Ruhrgebiet. “Sie würden gerne einen Wein trinken. Drauf erwidert der Wirt: Rot oder Weiß?” Der Witz kann hier enden, aber teilweise wird ergänzt, dass die Franken darauf sehr irritiert antworteten. Und ich kenne noch aus den Schuljahren einige solcher Alt-Oppa-Kneipen mit Herren- und Damengedeck und der bipolaren Option von Rotwein oder Weißwein. Doch das ist vorbei. Bodegas gibt es und auch kleine Stuben, wie die von mir geschätze – und nur selten besuchte – Eickeler Vinothek des aus Wattenscheid-Höntrop stammenden Kai Weyers. Das hat nichts mit Alt-Oppa-Kneipe oder piefiger Winzerromantik in urigen Kellern zu tun. Es gibt eine städtischen Version der Straußenwirtschaft: für den einen eine Vinothek, für den anderen die Bodega.

Das Festival urbaner Weinkultur

Zwei Ballongläser vor der Weinerei, Berlin

Zwei Ballongläser vor der Weinerei, Berlin

Als einen “Mix aus Lifestyle, Kunst und natürlich jede Menge Vino” kündigt der Weinsnob die Premiere des Festivals in 2013 an. Das trifft das Konzept. In 2014 gibt es einen Tag für’s Fachpublikum, ein Tag bei dem es ums Kochen geht und dann auch einfach nur um’s Relaxen. Und dieser Lifestyle unterscheidet die auf dem Festival gefeierte Weinkultur, die so anders ist, als wir sie uns in Heimatfilmen der 1950er Jahre vorstellen. Die Weinverköstigung findet in anderer, urbaner Umgebung statt. Nicht in einem Weinkeller im Anbaugebiet oder bei einem Winzer, sondern in einem industriekulturell vorbelasteten, umgenutzten Bahnhofsgelände – mit Europaletten als Möbeln und Live-Musik. Das urbane Lebensgefühl der Städter steht im Vordergrund. Und zu diesem gehört auch ein Glas guten Weines. Gut ist der Wein nicht aufgrund von kunstvollem Etikett, vorgeblichen notwendigem Eichenkorken und seiner stammbaumsicheren Herkunft, sondern einfach weil er schmeckt. Schmeckt, Marke drauf, das ist es. Die neue Welt schlichter, aber sehr wohl designter Etiketten unterstützt dies.

Städter bevorzugen fruchtige Wein

Eingang Vinolucion

Rotunde des alten Katholikentagsbahnhofs, Eingang zur Vinolucion 2013

Der Weingeschmack der Städte ist ein anderer als auf dem Lande. Die urbane Wein-Kultur bevorzugt statt säurehaltiger Rieslinge fruchtige Weine. Ein Kontrast zur industriekulturellen Kulisse an der Ruhr? Aber es handelt sich um keinen Geschmacks-Trend, der sich auf die Metropole Ruhr beschränkt. Er ist ein städtisches Phänomen. Und so hat Festival-Veranstalter Oliver Sopalla angekündigt mit einer Ausgabe seines Events nach Berlin gehen zu wollen. Eine Stadt der Blogger. Ein großstädtisches Phänomen, so dass das junge, oft akademische Publikum weiter erobert werden kann. Die Wein-Blogs, wie zum Beispiel Captain Cork kennen das Festival schon. Und so lässt sich der Spieß auch umdrehen, wenn der Wein dem Publikum mit passendem urbanem Lifestyle nahe gebracht wird.

Berlin hat mit der Weinerei schon eine bekannte Institution mit eigenen Formen rund um den Weinkonsum. Der wird dort in Ballongläsern gegen 2 Euro ausgeschänkt. Man sitzt auf Spermüll-Sofas und zahlt am Ende, was man mag. Der Laden ist gut frequentiert. Die Straußenwirtschaft des Prenzlauer Bergs. Auch sie müsste traditionellen Winzern ein Graus sein. Aber die Traditionalisten werden weniger. Auf dem Wattenscheider Weinfest – Veranstalter ist die örtliche Werbegemeisnchaft – haben die ausstellenden Winzer nachgelassen. Es gibt Bier. Aber die Winzer sind auch im Umbruch. Die nächste Generation nicht nur der Trinker auch der Winzer tritt an. Tempora mutantur.

P.S.: Dieser Beitrag enstand bei einem Becher Blaufränkischem aus der Weinfachhandlung Meyerhof hinterm Bochumer Rathaus. Der laut Etikett halbtrockene Rotwein wird unter dem geschützten Markennamen “Vier Jahreszeiten” vertrieben. So schlicht können die Angaben auf einem Label sein.

24Aug/13
Schaltpult in der DASA, Dortmund

Extraschicht: Beschränken Sie sich auf eine Stadt

Dieser Text stammt von Hedda Monstadt, die sich intensiv mit der Industriekultur befasst hat. Und Kontinutität einer Berichterstattung zur Extraschicht erscheint der Beitrag jetzt hier.

Auch die 13. Extraschicht war, trotz der für den gemeinen Abergläubischen unheilverkündenden Zahl, wieder ein voller Erfolg. In der Nacht der Industriekultur, die dieses Jahr am 6. Juli stattfand, wurde in 25 Städten an hunderten Spielorten zum Besten gegeben, was unser Ballungsraum zu bieten hat.

Die heilige Barbara hat vorher wohl mit Petrus einen kleinen Plausch gehalten und uns gutes Wetter gesichert. Man wurde aber nicht nur von strahlendem Sonnenschein und Industriecharme, sondern schon an Sammelpunkten wie dem Bahnhof, ab 18 Uhr, von einer großen Masse Menschen freudig in Empfang genommen. Die Anreise verlief reibungslos, denn mit dem Ticket konnte man, wie schon in den vergangenen Jahren kostenlos den ÖPNV und außerdem die Einsatzbusse, die gezielt die Attraktionen anfuhren, nutzen.

Ruhr-Universität Bochum von Bochum-Stiepel aus

Ruhr-Universität Bochum von Bochum-Stiepel aus

Von der Ruhr-Uni…
Es gab wieder viel zu sehen, hören bestaunen und erforschen. Von Konzerten – klassisch, rockig oder a capella – über Poetry-Slam bis zu Wissenschaft und Technik waren den Erlebnishungrigen keine Grenzen gesetzt. Um 18 Uhr wirkte die Deko des botanischen Gartens an der Ruhr-Uni Bochum mit hängenden Elektrogeräten in den Bäumen noch irritierend. Und auch der eher auf künstlerischen Wert ausgerichteten Lageplan half bei der Orientierung nicht besonders. Aber es heißt ja auch „Nacht der Industriekultur“.

Sobald es dunkel wurde und die angestrahlten Bäume und beleuchteten Wege wie ein Märchenwald erschienen, hinterließ das Angebot der RUB einen – durchweg positiven – bleibenden Eindruck. Sich zu orientieren war dank der teelichtgesäumten Wege und angestrahlten Bühnen auch kein Problem mehr. Die Jahrhunderthalle glänzte mit einem ausgewogenen Programm von lustigen Poetry-Slam-Einlagen bis klassischer Klaviermusik. Sebastian23 führte durch das Programm der modernen Mischung aus Philosophie, Komik und Blödelei auf voller Bühne, während die Tastenkünstler bei nicht weniger Publikum hauptsächlich auf kurze Einzelperformances setzten, die es allerdings ebenfalls in sich hatten.

Deutsches Bergbaumuseum, Bochum

Deutsches Bergbaumuseum, Bochum

Die Einsatzbusse konnten wieder dazu genutzt werden, von der einen interessanten Attraktion zur nächsten zu fahren. Sightseeing Busse konnten und sollten sie dabei nicht sein, denn die großen, detailreichen Industrieflächen mussten erkundet und nicht aus der Ferne betrachtet werden. Als Intercity-Verbindung waren sie auch weniger geeignet, sodass viel auf Straßenbahnen und Züge zurückgegriffen wurde. Natürlich hat sich mein Besuch der Extraschicht nicht nur auf meine Heimatstadt Bochum beschränkt, sondern war wie immer eine gute Gelegenheit um über den Tellerrand aus Bergbaumuseum und Jahrhunderthalle zu schauen. Die Dortmunder DASA zum Beispiel lieferte kräftigen A capella-Rock, der des Publikum schwer begeisterte. Wenn ein paar Jungs nur mit dem Mund eine ganze Reihe Instrumente täuschend echt und wahnsinnig klangvoll nachahmen, dann reißt das natürlich Jung und Alt mit.

Schaltpult in der DASA, Dortmund

Schaltpult in der DASA, Dortmund

… zur Jahrhunderthalle, zum Bergbaumuseum und zur DASA Industrie ist nur mittlerweile viiiiel kleiner
Leider war durch die Fahrt von Bochum nach Dortmund unser Aufenthalt bei dem Konzert der Rock4 vergleichsweise kurz, aber dadurch nicht weniger Eindrucksvoll. Mehr davon! Dass wir in der Nachbarstadt nur noch einen Teil der Show mitbekamen, war auch aus anderen Gründen nicht schlimm. Die DASA – Arbeitswelt Ausstellung, durch die man auch noch spät am Abend schlendern konnte wirkte – obwohl nicht geplant – sehr einladend und führte uns zu einem kleinen Stand im Eingangs-bereich, der auf den letzten Metern noch Hirnleistung forderte. Nanotechnik. Was ist das eigentlich? Keine Ahnung! So schien es vielen Menschen zu gehen, aber das sollte sich an dem unscheinbaren Infostand zumindest für uns ändern. Frisch aufgeklärt und voller interessanter Ideen konnte man gut die Heimreise antreten und ist beruhigt: Die Industrie ist nicht Vergangenheit, wie man es bei den großen, entkernten und umfunktionierten Hallen, die man an dem Abend zu sehen bekam, denken konnte. Nein, Industrie ist nur mittlerweile viiiiel kleiner.

Tücke oder Lücke der Abtransportkette
Leider hat uns das Programm so gefordert, dass wir auf die Idee kamen, schon um kurz nach zwölf die Spielstätten zu verlassen. Das stellte sich beim zweiten Hinsehen als ein relativ unbedachter Plan heraus. Man richtete seinen auf Nanoabstände eingestellten Blick auf den Fahrplan und entdeckte ein ganz und gar nicht Nano-Maßstäben entsprechendes Loch in der Abtransportkette zwischen viertel nach elf und 12.20 Uhr. Hier hätte man vielleicht noch bis zwei Uhr einen, der an anderen Stellen eher weniger effektiven Einsatzbusse seinen Dienst tun lassen können. Die Organisation der Extraschicht war nach zwölf Jahren Erfahrung trotz dieses kleinen Schönheitsfehlers sehr ordentlich. Hut ab! Mit Industrie hatte der Programminhalt in großen Teilen wenig zu tun, aber das sollte es auch nicht. Die reine Anwesenheit des schwerindustriellen Umfelds beeindruckt schon und verführt vielleicht dazu noch einmal an den ein oder anderen geschichtsträchtigen Ort zurückzukehren und eine Führung zu besuchen – und das soll doch so sein. Danke an alle Organisatoren und Besucher für die Botschaft: Es gibt sie, die lebendige Industrie, die lebendige Kultur und die gelungene Kombination aus beidem. Danke für diese unvergessliche Nacht der Industriekultur!

Beschränken Sie sich auf eine Stadt
Achja… noch ein kleiner Tipp zum Abschluss für all diejenigen, die beim nächsten Mal dabei sein wollen: Beschränken Sie sich nicht auf einen Standort, aber auf eine Stadt. Die Verkehrsanbindung ist zwar auch zwischen den Städten gut und wird ja zusätzlich durch die Einsatzbusse unterstützt, aber eine Tour über mehrere Orte ist nur bei extrem straffem Zeitplan zu bewältigen und es soll ja auch ein angenehmer Abend sein, bei dem man die anvisierten Darbietungen pünktlich erreicht und sich auch mal von einem ungeplanten Programmpunkt überraschen lassen kann. Im nächsten Jahr ist dann die Nachbarstadt dran.

16Aug/12
PULSEPARK, Lichtkunst im Westpark Bochum

Urbane Künste Ruhr: PULSE PARK im Westpark Bochum

Noch bis zum 16. September 2012 pulsiert es im Westpark, direkt hinter der Jahrhunderthalle in Bochum. Von Einbruch der Dunkelheit gegen 21 Uhr bis 1 Uhr ist hier die Lichtinstallation PULSEPARK des aus Mexiko stammenden Künstlers Rafael Lozano-Hemmer aus Montreal, Kanada zu erleben. Der Künstler sieht seine Aufgabe darin, interaktive Kunst in öffentliche Räume zu bringen. Er bezeichnet sich selber als Nerd.

In einer Skulptur am Wiesenrand hat der Künstler einen Pulsnehmer untergebracht. Eine kleine, beleuchtete Metallplatte erläutert die Handhabung. Mit festen Umschließen der Metallteile wird der eigene Puls in die Installation eingespeist. Er gibt der Illumination des Parks für einige Sekunden den Rhythmus vor. 250 Theaterscheinwerfer leuchten im Takt des eigenen Pulses auf. Danach zeigt die Installation die letzten 250 eingespeisten Pulse gemäß eines FIFO-Stack an: Jeder der 250 Scheinwerfer zeigt einen Puls an. Da mitten in der Installation drinnen picknicken Besucher dieser Technik-Performance.

Die Installation wurde von der Kultur Ruhr GmbH, Abteilung Urbane Künste, initiiert und finanziert anlässlich der Ruhrtriennale 2012. Ausrichter der Ruhrtriennale ist die von Land NRW und RVR getragene Kultur Ruhr GmbH. Die Abteilung Urbane Künste ist neu. Sie wurde im Rahmen der Nachfolge des Kulturhauptstadtjahres Ruhr.2010 und der Ruhr.2010 GmbH errichtet. Die Installation im Westpark ist Teil der Nachwirkungen – der Nachhaltigkeit – des Kulturhauptstadtprojektes. So wird es auch die Austellung EMSCHER.KUNST 2013 werden. Im Vorfeld hatten Regionalpolitiker, die CDU Ruhr und das Ruhrparlament, gefordert, dass Ruhr.2010 kein einmaliges Feuerwerk sein dürfe, sondern auch nachwirke. Auch so, denn der Auftrag der Abteilung Urbane Künste Ruhr ist, Kunst im öffentlichen Raum zu inszenieren. Bemerkenswert in einer Zeit, in der der öffentliche Raum zu schrumpfen scheint.

Die Installation und die Präsentation von Rafael Lozano-Hemmer zu seinen Arbeiten erinnerte mich an einen Besuch im ARS ELECTRONIC CENTER in Linz, Österreich. Eine der Installation des Künstlers erfolgte auch in Linz.

24Jul/11
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Haldensaga mit organisatorischen Schwächen

20110724-061417.jpgSamstag 23.07. auf Sonntag 24.07. fand die Veranstaltung Haldensaga im Ruhrgebiet statt. Initiiert von der Ruhr.2010 GmbH sollten etwa 2.000 Personen Nachtwanderungen von Halde zu Halde machen, unterbrochen durch eine Rastpause und ein Stückchen was auch immer an geistiger Erbauung. Insgesamt hatte die Veranstaltung aus meiner Sicht, der ich als Nachtdozent im Nordsternpark teilgenommen habe, aber auch nach Berichten von Teilnehmern und Tour-Guides, die Gruppen führten, Ihre Schwächen. Nicht alle Schwächen gehen auf das Konto der Veranstalter oder lassen sich damit entschuldigen, dass es ein Low-Budget-Projekt ist. Hier eine subjektive Übersicht.

  • Das Wetter. Kalt, wolkig und regnerisch in der zweiten Nachhälfte. Aber das lässt sich nicht planen, siehe Bochum Total
  • Die Konkurrenz. An dem Wochenende war u. a. Bochum Total und Fußball.
  • Die Streckenlänge. Im Vorfeld war bereits aufgefallen, dass manche Touren zu lang waren. Die waren dann aber immer noch zu lang. Eine Gruppe bröckelte von 28/26 auf 24, dann auf 11, die schließlich noch den Weg auf die Sonnenaufgangshalde fand. Andere waren vorher erschöpft. Einige Teilnehmer glauben, dass zum Beispiel die Wege auf die Halden hinauf – in Rundkursen – nicht mit eingerechnet worden waren. Am Ende seien dann nochmals 2 km hinzugekommen.
  • Die Ausschilderung. Die Strecke sollte mit Fahnen und Knicklichtern markiert sein. Das stimmt auch zumindestnzu Anfang. An meinem Standort stimmten Karten aber weder mit Standort der Fahne und geeignetem Standort überein, so dass die Dozenten (keine Orga da) mal eben selber korrigierten. Von der Sonnenaufgangshalde berichtet mir meine Frau, dass die Karte nicht den Weg nach oben wies und sämtliche Knicklichter zwischenzeitlich geklaut waren. Das könnten diemdort startenden Gruppen oder Dritte gewesen sein.
  • Die Versorgung. Es hat mindestens eine Verletzte gegeben, an deren Versorgung sich aber kaum ein Teilnehmer einer Gruppe beteiligt habe, aber u. a. mit Ausnahme eins Tour-Guide (allerdings einer anderen Gruppe). Das Team Building mit dem Ballett auf der Sonnenuntergangshalde hatte nicht den gewünschte Effekt.
  • Die Gruppengröße. Was die gegenseitige Unterstützung und den sozialen Zusammenhalt betrifft, wären kleiner Wandergruppen sicher besser geeignet. Wir Nachtdozenten an unserem Standpunkt haben die erste Gruppe mit 26 Personen zwei geteilt und unser Programm gemacht. Das galt auch für die nächste, aber der “Volonteer” war nicht da und die ankommenden Gruppen mussten warten. Danach war die Organisation hin, was den Teilnehmern aber nicht auffallen musste. Die Gruppen haben dann alle in voller Stärke mehrere Vorträge bekommen … Organisation lässt sich nur durchhalten, wenn sich wer darum kümmert.
  • Die Medien. Bei zwei Gruppen waren Medienvertreter dabei. Die von der Presse sind zwar nicht komplett mit gewandert, aber die waren auch nicht zu unterscheiden. Der WDR-Kamermann war nervig, aber das mag subjektiv sein. Ich weiß, dass die einen “prekären” Job haben, aber vor dem Nachtdozenten ein Interview anfangen, während der spricht, find ich grenzwertig. Da wurde in dem Moment auch nicht berichtet, sondern da wurden Bilder (und Teilergebnisse) produziert. Wenn man an dem Medienkram nicht interessiert ist, dann kann sowas das Erlebnis der Haldensaga beeinächtigen. In einer meiner Veranstaltungen hätte ich den aufgefordert, sich mal einen Moment zurückzuhalten. Für die Zukunft werde ich kritischer sein, wenn ich vor einer Veranstaltung Medienvertreter oder Veranstaltern eine Pauschalgenehmigung für Aufnahmen gebe.
  • Die Nachtdozenten. Ja, ich war auch einer. Es war offenbar schwierig, genug zu finden. Da kursierten im Vorfeld für diesen unbezahlten Job auch unterschiedliche Konzepte. Die Veranstalter werden daraus gelernt haben. Wenig Verständnis habe ich für Einführungsveranstaltungen, die länger als der Einsatz dauert. Dabei waren an meinem Standort die übrigen Nachtdozenten erfahrene, ja berufliche Gästeführer. Ich hoffe, nicht nur der Medien wegen. Die Ausstattung – Käppi und gelbe Warnweste – war auch nicht gerade hilfreich. Eine klare und vorhandene Trennung in Orga und Dozenten wäre hilfreicher.

Es gab auch gute Seiten, die ich so für mich mitnehme:

  • Die anderen Nachtdozenten waren interessant und wir haben uns in den Pausen unterhalten. Aus zwei Kontaken könnte da in nächster Zeit was werden.
  • Es war eine Erfahrung, mal den Inhalt (bei mir: politische Bildung zum Strukturwandel im Ruhrgebiet) in gerade mal 12 Minuten zu verpacken. Ich mag das Format nicht, da es zwingt Zusammenhänge zu stark zu raffen. Außer Präsentation von Fakten geht da nichts.
  • Ich musste mal auf mich zukommen lassen, wer denn da so kommt.
  • Wandern ist nicht so mein Ding, aber ich konnte daran teilnehmen und hatte um Mitternacht Schluss. Am frühen Morgen kehrte meine Frau Pamela hingegen als Eiszapfen zurück.
  • Sie berichtete von der tollen Versorgung im Schloss Horst, die die Teilnehmer mit ihrem Kaffee (also nicht vom Veranstalter) versorgten. Die Fußbodenheizung dort erlaubt, ohne Schlafsack und Isomatte direkt auf dem Boden zu schlafen.
  • Die Geburtstagsfeier um Mitternacht für einen Teilnehmer. Es gab ein Ständchen, Sekt und Süsigkeiten.

Fazit: Wenn die Veranstalter aus den Fehlern lernen, könnte das ggf. nochmal gemacht werden. Das sagt so auch Pamela. Allerdings würde ich auf jeden Fall vorher kritischer hinsehen.

13Jul/11
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Intransparente Geldverteilung der “freien Szene” im Ruhrgebiet

Städte der Kulturregion Ruhrgebiet

Bei einer Veranstaltung zur Nachhaltigkeit des Kulturhauptstadtprojektes der Kommunalpolitischen Vereinigung Bochum in der Kunstwerkstatt am Hellweg in Wattenscheid, fiel es mir wieder auf: Die intransparente Verteilung der Gelder der regionalen Kulturförderung des Landes. Dr. Cebulla – quasi Chef der Kunstwerkstatt – berichtete, dass er keinerlei Förderung mehr von irgendwem erhalte. Das Hauptthema war jedoch die Enttäuschung der “freien Szene” vom Kulturhauptstadtjahr, wo sie nicht berücksichtigt worden sei, und das dies für die Kulturhauptstadt- freie Szene sich auch danach fortsetze. Es zeigte sich aber auch, dass er und die Anwesenden von der Kulturförderung der “freien Szene” nichts wussten.

Förderliste der “freien Szene” werden zur Landesregierung durchgereicht
Das Land NRW hat verschiedene Kulturregionen. Die Karte zeigt die Kulturregion Ruhrgebiet. Die freie Szene berät darin jährlich für politische Gremien vor, wer da aus Kulturförderungsetats des Landeshaushalts Geld bekommt. Wie man in das Gremium kommt, weiss ich nicht. Ich habe mir sagen lassen, dass das Gremium von Gerd Spieckermann vom Bahnhof Langendreer morderiert wird. Der Bahnhof Langendreer hat den Ruf, “geschickt” beim Einwerben von Fördermittel aus unterschiedlichen Quellen zu sein. In 2011 erhält der Bahnhof selber etwa 10% der regionalen Fördermittel. Die Regionalräte, also hier das Ruhrparlament des Regionalverbands Ruhr, empfehlen diesen Vorschlag dann der Landesregierung. Auf dem Weg von diesem Gremium der “freien Szene” bis zum Landeshaushalt tut sich wenig.

Nachdem der RVR die Funktion des Regionalrats fürs Ruhrgebiet übernommen hat, hat das Ruhrparlament den Willen erklärt, beratende Mitglieder zu den Vorberatungen zu entsenden. Die Parlamentarier haben nach dem ersten Abnickenden Wunsch geäußert, zumindest nachrichtlich zu wissen, welche Projekte sie abnicken sollen und welche keine Förderung erhalten. Das hat dann auch im zweiten Jahr gleich nicht funktioniert, denn die Parlamentarier – hier Lothar Gräfingholt (CDU) aus Bochum und Monika Simshäuser (SPD) aus Hamm – sind nicht eingeladen worden. Statt die Empfehlung abzunicken, hat sich die CDU daher enthalten.

Wer agiert da eigentlich?
Das Vertreter der freien Szene die Entscheidungen ihrer, wie auch immer bestimmten, Vertreter nicht mitbekommen, ist das eine. Das andere ist, dass die offiziellen Entscheidungsträger das auch nicht mitbekommen. Der kommt mir schnell der Verdacht, dass da was ausgeklüngelt wird, was insbesondere den Beteiligten selber hilft.
Ein Bericht der Ruhrbarone xtranews (No, we can’t – Stille Haushaltssperre in NRW lähmt nicht nur die freie Kulturarbeit, 27.07.2011) zu den Problemen der “freien Szene”, Gelder in 2011 aus dem Landeshaushalt ausgezahlt zu bekommen, lässt nicht die Gefahr sehen, dass nur größere Insitutionen die Mittel zur Refinanzierung von Veranstaltungen heranziehen können, die sie eh machen würden. Das wäre dann keine Förderung zusätzlicher Projekte, sondern nur Mitnahmeffekte. Um das zu verifizieren, müsste ich mir die einzelnen Projekte mal ansehen. Ich kenne sie zu wenig, nicht einmal ein Datenblatt.

Nachfolgend einmal die aktuelle Förderliste (in der Reihenfolge) aus 2011. Wenige Projekte davon kenne ich.

 

Akademisches Förderungswerk (Kulturbüro), Bochum 21. Internationales Videofestival 12.000 €
ProJazz e.V., Dortmund jazzwerkruhr 36.400 €
Kulturzentrum Grend e.V., Essen Literatürk – 7. Deutsch-Türkisches Literaturfestival 22.000 €
Bahnhof Langendreer e.V., Bochum Odyssee – Kulturen der Welt. Musik der Metropolen ! 43.000 €
Pixelprojekt Ruhr, Herne Pixelprojekt Ruhrgebiet 46.500 €
Klack ZwoB e.V., Bochum 19.Blicke.Filmfestival des Ruhrgebiets 40.000 €
artscenico e.V., Dortmund LandTanz und DorfOrgien 11.800 €
30.000 € für 2012 angemeldet
open systems e.V., Essen upgrade 4.0 5.000 €
Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher e.V., Dortmund Hosgeldiniz! 6.740 €
Kunsthaus Essen, Essen dual 8.300 €
Jan Klare / Ludger Schmidt, Münster/Ennepetal Dorf-Feste 16.000 €
Studentische Initiative, Bochum MegaFon 2.000 €
JOE e.V., Oer-Erkenschwick SSBO Sun sucks brain out – Festival 7.900 €
Kultur im Ringlokschuppen e.V., Mülheim an der Ruhr Shiny Toys – interdisziplinäres Medienfestival 27.000 €
Deutsches Forum für Figurentheater, Bochum Ruhr-Kunst-Cashing 20.000 €
Rottstr. 5 e.V., Bochum Portait John Cage 1.550 €
Kultur im Ringlokschuppen e.V. + Literaturbüro Gladbeck, Mülheim Textrevolte – Literatur und Politik 15.000 €
Die Bühne e.V., Essen Inclusiv 18.200 €
Virtuell-Visuell, Dorsten Kunst bewegt Räume 16.500 €
99cent theater, Bochum Eintagsfliegen (kontinuierlich kopulierend) 10.000 €
Künstlersiedlung Halfmannshof e.V., Gelsenkirchen Zwischen Diktatur und Demokratie. Die Geschichte der Künstersiedlung Halfmannshof 1931-1956 17.000 €
Rita Maria Schwaigin, Dortmund Offene Ateliers Dortmund 4.000 €
Depot e.V., Dortmund Kunstbox 2.400 €

Die Liste enthält insgesamt 399.290 € und enthält mit Münster, Ennepetal, Oer-Erkenschwick und Dorsten vier Orte, die nicht zur Kulturregion Ruhrgebiet gehören.

 

Links
Seiten der Bezirksregieung Arnsberg mit Infos zur regionalen Kulturförderung und Antragsformularen

Drucksache des Regionalverbands Ruhr zur regionalen Kunst- und Kulturförderung 2011

Fällt der Kulturherbst 2011 für freie Träger und Projekte in NRW aus? (Gerd Herholz, Ruhrbarone, 20.03.2011)

 

30Jun/11
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Win-Win – Geldverteilung der Ruhr.2010-Nachfolge läuft

“Nach Golde drängt, / Am Golde hängt, / Doch alles. Ach wir Armen.” Und so ist es auch bei der Verteilung von Geldern für die regionale Kulturarbeit im Anschluss an das Kulturhauptstadtprojektes Ruhr.2010. Der Gedanke war seinerzeit, im Rahmen eines Masterplans Kulturmetropole Ruhr Geld nach 2011 bereitzustellen, damit die Ergebnisse der “Metropolwerdung” im Kulturbereich nicht verloren gehen. Was da vom aufwendigen Masterplan zur Umsetzung bleibt, bin ich skeptisch, aber es wird einiges in Nachfolge von Ruhr.2010 bleiben. Das wird sich deutlich von den Anschlussregelungen der Europäischen Kulturhauptstadt Weimar 1999 unterscheiden.

Zu verteilendes Geld muss erst einmal vorhanden sein.
Unter CDU-Führung waren vom RVR bereits zur Bewerbung als Kulturhauptstadt 12 Mio. € zugesagt worden, die über das Geld, das der RVR von den Kreisen und Städten jedes Jahr erhebt, eingesammelt werden sollten. Für die Jahre 2007 bis 2011 wurde daher die sogenannte Verbandsumlage auf 0,6499% angehoben, was jährlich 2,4 Mio. € bescherte. Da diese aus den Säckeln der Räte und Kreistage finanziert werden müssen, wurde von einigen Akteuren stets auf eine Rückführung ab 2012 gedrängt. So hat sich zum Beispiel der Rat der Stadt Dortmund gegen jegliche Umlageerhöhung, auch beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, ausgesprochen. Die Oberbürgermeister und Landräte müssen die Mehrausgaben für regionale zuhause vermitteln, wo Einsparungen gerade im heimischen Kulturbudget ggf. zeitgleich vertreten werden müssen.

Auch ist seit 2007 Schluss mit einer stetigen Senkung des Hebesatzes der Umlage an den RVR zugunsten der Kommunen, um den jährlichen Zahlbetrag konstant zu halten. Diese Grafik aufgrund älterer Haushaltspläne des RVR zeigt die Differenz einer Entwicklung von 1990 bis 2007, wo dann der Sprung für die 2,4 Mio. € kommt. Seit 1990 hatte es mehrfach Absenkungen gegeben. Mit der Kulturhauptstadt wurde hier wieder aufgeschlossen. Es geht im diesen Differenzbetrag.

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Wie bewegt man die Kommunen an der Ruhr dazu, Geld aus leeren Säcken zu geben?
Man legt was drauf. Auch daher hat sich das Projekt Kulturhauptstadt gelohnt. Das gehörte mit zu den Zielen. Unter anderem das Land NRW hat kofinanziert. Und die Zusage steht: Im Landeshaushalt 2011 befinden sich 2,4 Mio. € zur Förderung der Nachfolge von Ruhr.2010, was auch neue Projekte sein können. Der Erhalt der Ruhr.2010 GmbH gehört nicht dazu. Ähnlich der Mittel für Emscher Landschaftspark und Route der Industriekultur soll es eine Vereinbarung geben, die insgesamt 4,8 Mio. € für die regionale Kulturarbeit – hälftig vom Land und dem RVR, also den Kreisen und Städten an der Ruhr – bereit stellt. Ergänzen wird sich dies üblicherweise um weitere Gelder der Kommunen, die den Standort einer Einrichtung bekommen, und aus weiteren Fördertöpfen von Bund, Land und EU. Das macht die Verhandlungen noch komplexer.

Ich erläutere das mal exemplarisch an ECCE, dem europäischen Zentrum für Kreativwirtschaft am Dortmunder U (Zentrum für Kunst und Kreativität), einem Nachfolgeprojekt für Dieter Gorny (einst der von VIVA). Die Einrichtung, was und wen auch immer sie berät, wird mal mindestens 0,5 Mio. € jährlich benötigen. Ein Viertel davon käme rechnerisch vom Land, ein Viertel vom RVR (darin der Umlageanteil der Stadt Dortmund). Diese 50 % sind dann von der Stadt Dortmund auf 100 % aufzustocken. Und dann sind alle in der Win-Win-Situation. Die Umlageerhöhung lässt sich rechtfertigen, gerade für Dortmund, dass das ECCE erhält. (siehe hierzu auch Ruhrbarone) Etwaige Haushaltsgenehmigungen in Nothaushaltskommunen werden die Regierungspräsidenten auf Weisung der Landesregierung nicht an diesen Posten scheitern lassen. Die Aufstockung lässt sich für Dortmund weiter rechtfertigen, da das Dortmunder U nach Fertigstellung bespielt werden muss. Nicht nur Baukosten können da deutlich überschritten werden, bei den einst kalkulierten jährlichen Unterhaltskosten wird dies auch – und zwar im Millionenbereich – erwartet. Also braucht Dortmund die regional kofinanzierte Einrichtung. Das ist allemal besser als ein Leerstand und entgangen Fördermittel, hinter denen am Ende nicht übertragbaren EU-Gelder stehen.

Das Gezocke ums Geld läuft zwischen den überwiegend der SPD zugehörigen Oberbürgermeistern und Landräten unter Beteiligung der RVR-Verwaltung und dem Landeskultutministerium ab. Parlamentarische Gremien sind an den komplexen Verhandungsprozessen nicht beteiligt. Das relativiert die Rolle kommunaler, regionaler und landesweit tätiger Kulturpolitiker. Die fehlende Beteiligung der Grünen erklärt auch das Gejammer der freien Kulturszene, die den Grünen nahe steht. Von der Forderung nach einem Kulturfonds Ruhr ist nichts geblieben, es gibt gerade noch das (ungeliebte?) Zückerchen ECCE. Aber die Parlamente, Räte, Kreistage und Verbandsversammlung des RVR, werden angeichts Zeitdruck und Komplexität in den nächsten Wochen nur noch Nicken können. Das nennt sich Budgetrecht.

Was neben ECCE noch erwartet werden kann?

  • Kofinanzierung der trienalen Fortsetzung von EmscherKunst, wobei zusätzliches Geld von der EmscherGenossenschaft und aus weiteren Förderprogrammen benötigt wird.
  • Geld für koordinierende Tätigkeiten (z. B. Theaterprogramme, allgemeines Marketing und Ruhr-Dachmarke, ggf. Fortsetzung Extraschicht), die die Ruhr Tourismus GmbH (Tochtergesellschaft des RVR) übernehmen soll.
  • Deutliche Aufstockung des Budgets der Kultur Ruhr GmbH, einer von RVR und Land NRW finanzierten Gesellschaft, für die Ruhrtriennale. Hier kommt sogar eine Realisierung eines Teils des Masterplans Kultur in Frage, z. B. durch neue Arbeitsbereiche.
  • Geld für das Kulturreferat des Regionalverbands Ruhr, vielleicht sogar für ein neues regionale Projekt.

Was nicht erwartet werden kann?
Eine regionale Trägerschaft von (bestehenden) Einrichtungen, Geld für die sogenannte freie Szene, eine Fortführung der Ruhr.2010 und Geld für ein neues “Dekadenprojekt” der Metropole Ruhr, z. B. im Bereich Umwelt oder Klimaschutz.

Ich hoffe auf mehr, offizielle und definitive Informationen in der nächsten Woche, zum Beispiel ‘ne Pressemitteilung der Landesregierung, des RVR oder so.

03Okt/10
Jahrhunderthalle mit Turm aus dem Westpark heraus bertrachtet

Wie viele Zuschauer hat die Ruhrtriennale?

Wie viele zahlende und nicht zahlende Zuschauer haben eigentlich die einzelnen Programmpunkte der Ruhrtriennale? frage ich, nachdem ich von “Love’s Deep Ocean” (Alim Quasimov) in der Jahrhunderthalle zurückgekehrt bin. Die Halle 4 war nicht einmal zu einen Viertel besetzt – maximal 100 Zuschauer. Ich gehörte zu den nicht zahlenden Gästen.
Jahrhunderthalle mit Turm aus dem Westpark heraus bertrachtet

Okay, ich bin früher gegangen. Das mag anfangs peinlich wirken, aber das Gefühl verschwindet, sobald man draußen an der Luft wieder Freiheit atmet. Es ging nicht anders, meine Konzentration war nach einer Stunde nicht mehr da. Der Künstler Alim Quasmiov wird hoch gelobt, so u.a. von der New York Times und der Frankfurter Allgemeinen Zeitpunkt. Allerdings habe ich mit Musik abseits der Dur-/Moll-Harmonik Probleme. Als ich in Istanbul mal Musik (jaja, Aserbaidschan ist nicht Türkei, aber hat auch ne Turksprache) hörte, konnte einigen Stücken folgen. Es waren am Ende Filmmelodien, u.a. einer Soap-Opera. Ich vermute, dass die Harmonik sehr schlicht war und “westliche” Elemente enthielt. Alim Quasimov und seine Tochter bzw. die Musikform des Mugham waren dann aber doch zu schwer für mich. Es kreist mir zu sehr um die Stimme. Hier mal ein Beispiel von youTube:

Der derzeitige Intendant der Ruhrtriennale, Willy Decker, wollte in seinem Programm Kunst, Kreativität und religiöse Urelemente verbinden. Der gesungene Mugham wirkt auf mich religiös, aber das kann auch ein in mir sitzender westlicher Sterotyp des Stimmenklangs und der Gestik sein. Es ist auch nicht abzustreiten, dass Quasimov eine verdammt gute und beeindruckende Stimme hat. Dennoch, ich habe den Zugang nicht gefunden. Aber offenbar haben wenige den Zugang gefunden, also überhaupt den Weg dahin.

Viele Stücke der Triennale sind ausverkauft. Zumindest entnehme ich es den Angaben im Programm. Kulturpolitik stelle ich mir immer so vor, dass da ein Sandkasten hingestellt wird, den die Kulturschaffenden dann bespielen. Dabei geht es nicht nur um die Bespielung mit publikumswirksamen Veranstaltungen, sondern auch weitere Ziele können verfolgt werden. Ich zähle sie mal hier nicht auf. Auch Mugham hat meinen Horizont erweitert. Aber da mach ich jetzt erst einmal einen Haken dran. Allein von der Zuschauerbeteiligung stellt diese Musik eine Nische dar. Die Produktionskosten dürften gering sein: 6 Musiker mit Technik auf der Bühne. Und da frage ich mich, ob das eine Abrundung des Programms mit ja auch durchaus teueren Produktionen ist und nicht nur eine prestige-trächtige Bespielung ist, ohne auf Widerhall in der Region zu treffen.

Der heutige Abend in der Jahrhunderthalle in Bochum hat mich auf jeden Fall verstört. Sinn und Zweck von Kunst, notwendiges Maß an Publikumszuspruch und öffentlicher Finanzierung muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen, wie auch die Frage, welche Kulturschaffenden wie und für wen ausgewählt werden. Ist das wie mit des Kaisers neuen Kleidern oder lieg ich komplett daneben?

Meiner Erinnerung nach hält das Land an der Kultur Ruhr GmbH, die Träger der Ruhrtriennale ist, einen Anteil von 51% und leistet 80% der Zuschüsse, wobei der Rest vom Regionalverband Ruhr stammt. Gute Nacht!

28Sep/10

Masterplan Kulturmetropole Ruhr schimmelt vor sich hin

Angestaubter Masterplan Kulturmetropole Ruhr


Szene: Eine repäsentative Amtsstube im Ruhrgebiet. Auf dem Schreibtisch eines Hauptgemeindebeamten liegt ein Aktendeckel. In dem Aktendeckel liegt eines der letzten Exemplare eines Masterplans Kulturmetropole Ruhr. Entworfen wurde er einst, um die Nachfolge und Nachhaltiugkeit des Kulturhauptstadtprojektes Ruhr.2010 zu sichern. Es handelte sich um die Idee, die Geldausgabe mit dauerhaftem Nutzen zu rechtfertigen.

Die Zeit vergeht. Der Hauptgemeindebeamte nimmt den Aktendeckel. Scharfsinnig und ungerührt erkennt er, dass die Zeit diesen Entwurf aus dem Sommer 2009 erledigt hat. Er schließt den Aktendeckel und legt den Vorgang in der blauen Rundablage neben seinem imposanten Holzschreibtisch ab.

Der Entwurf eines Masterplan Kulturmetropole Ruhr liegt seit über einem Jahr vor. Mit wenigen Ausnahmen hat er die Räte und Kreistage der Metropole nicht erreicht. Die Bbürgermeister und Landräte haben ihn den Gremien nicht vorgelegt bzw. die Kulturverwaltungen gehindert, ihn an die Kulturausschüsse weiterzuleiten. Einige Kommunalpolitiker haben jedoch nach ihm gefragt. Die Kulturverwaltungen mussten dann berichten, was sie ohne Nachfrage nicht berichten durften.

Das letzte Quartal des Kulturhauptstadtjahres steht an. Die tragende Gesellschaft Ruhr.2010 GmbH wird schrittweise bis zum 31.12.2012 abgebaut werden. Eine Nachfolgeregelung ist zum 01.01.2011 nicht zu erkennen. Dümpeln steht nach dem 31.12. an. Schade.

Über Strukturen wird bereits ansatzweise gesprochen: Soll die Ruhr.2010 GmbH von Dauer sein, soll der RVR oder seine Tourismus-Gesellschaft Teil weiterführen oder passiert besser gar nichts? Wird Letzteres bevorzugt, dann wird eher nicht gesprochen. Eine Diskussion über die regionale Funktion von Kultur, über Exellenzen und Aufgaben von Kultur findet nicht statt. Gerade dazu steht etwas im Masterplan Kultur. Der zweite Schritt wird vor dem ersten gemacht.

Mitte September erfuhr ich dass es nur noch wenige verfügbare Exemplare des gedruckten Masterplanentwurfs gibt. Er soll auch nicht nachgedruckt werden. Mit einer weiteren Diskussion und Beratung wird demnach auch anderswo nicht mehr gerechnet.
Mein Exemplar ist also inzwischen eine Rarität. Interessierte finden hier eine PDF-Ausgabe.

siehe auch: “Angestaubter Masterplan Kulturmetropole Ruhr” vom 18. Juni 2010


Bild: “Blumenmeer” von view7 | photocase.de

21Jun/10
Hotel (von judigrafie, photocase.de)

Übernachtungssteuer: Die Kurtaxe für die Kulturhauptstadt.


Am 30. Juni wird die Stadt Essen voraussichtlich die Einführug einer Übernachtungssteuer beschließen. Dem Rat liegt zur Drucksache Nr 0992/2010/2 ein entsprechender Satzungsentwurf vor. Veranlasst ist die aktuelle Einführung der neuen Steuer, die hin und wieder mal angeregt wurde, durch den akuten Finanzbedarf der Städte in der Region und einer gewissen Opportunität aufgrund des durch die FDP-Klientelpolitik gesenkten Umsatzsteuersatzes (Mehrwertsteuer) für Übernachtungen:

Bestandteil des Haushaltssicherungskonzepts zum Haushaltsplan 2010/2011 ist die Einführung einer Übernachtungssteuer.
Eine solche Steuer ist zurzeit in mehreren NRW-Städte (z. B. Bochum, Dortmund, Duisburg, Köln, Mülheim und Oberhausen) in Vorbereitung. In der Stadt Weimar wird sie als sog. Kulturförderabgabe bereits seit 2005 erhoben.)
(Drucksache Stadt Essen)

An der Essener Vorlage gefällt mir die Gegenüberstellung von Aufwand und Ertrag. Die geschätzten 1,1 Mio. Übernachtungen jährlich würden bei durchschnittlichen Kosten von 55 € (laut Bild.de!, schreibt die Verwaltung Stadt Essen) und einem Steuersatz von 5% zu etwas mehr als 3 Mio. € Einnahmen führen. Ausgaben für zwei Mitarbeiter und Sachkosten in Höhe von 134 T€ stünden dem gegenüber. Es lohnt sich also.

Bemerkenswert ist, dass diese Abgabe zum Ende des Kulturhauptstadtjahrs ansteht. Sie ist auch nicht zur Finanzierung von kulturellen und touristischen Aktivitäten vorgesehen, wie zum Beispiel im Rahmen eines Masterplans Kultur. Da unterscheidet sie sich auch von Kurtaxen, da davon die Kultureinrichtungen (Lesesäle, Strände, Kurhäuser, Veranstaltungen etc.) für Gäste unterhalten werden sollen. Die 5% Übernachtungssteuer würden Ruhrgebiets-weit vermutlich die Gelder für so einen Masterplan in der notwendigen Höhe aufbringen. (siehe auch: Angestaubt: Masterplan Kulturmetropole RUhr).

Ab wann genau die Steuer erhoben wird, ist aber noch unklar. Da diese kommunale Steuer bisher in Nordrhein-Westfalen noch nicht erhoben wurde, muss zunächst eine Genehmigung durch den Innenminister und den Finanzminister erfolgen. Aufgrund der Beschlüsse der Räte von Duisburg und Köln sollen Anträge bereits in den Ministerien vorliegen und auf eine baldige Entscheidung warten.


Bild: Ausschnitt aus “Hotel” von judigrafie / photocase.de